MOONSPELL – Extinct

Für eine lange Zeit hatte ich die Portugiesen aus Augen und Ohren verloren – jene Finstermeier, die mir anno 1995 gemeinsam mit Paradise Lost den Gothic bzw. Dark Metal näherbrachten. Unzählige Male rotierten damals „Wolfheart“ und das für meinen Geschmack noch potentere „Irreligious“ in meiner ersten vernünftigen Stereoanlage – Letzteres ein Album, welches für mich vom Intro bis zur „Full Moon Madness“ derart stimmig war, dass sich etwa ein gutes Jahr lang aber so rein gar nichts an metallischer Konkurrenz daran messen konnte.

Danach wurde es zumindest in meinen Räumlichkeiten still um den lusitanischen Metal. Lediglich 2003 fiel mir mal wieder ein Moonspell-Werk in die Hände, doch konnte mich „The Antidote“ überhaupt nicht dazu bewegen, diese Band wieder so zu mögen und zu verfolgen wie zu Mitte der Neunziger. Es schien mir, wie unerträglich passend, ein regelrechtes Gegengift zu allem vorher Gehörten und so glorifizierend Erinnerten zu sein… und so ebbte diese akustische Beziehung wieder gänzlich ab.

Und nun das: das vorliegende „Extinct“, übrigens verpackt in fein-morbidem Coverartwork des Septicflesh-Fronters Spiros Antoniou, vermochte mich ab dem ersten Takt abzuholen, auf den Beifahrersitz zu packen, festzuschnallen und auf seine wohl durchdachte, weil sauberst durchkomponierte Klangreise mitzunehmen – auf eine Fahrt über mondbeschienene Landstraßen, umsäumt von blutroten Feldern und brennenden Bäumen, nach Medusalem und weiter.

Die thematische Schwermut erfährt hierbei eine musikalische Leichtigkeit, die vor Eleganz nur so sprüht. Ein helleres Schwarz sah ich selten – etwas anbiedernd und dennoch genügend entfernt von Kitsch und allzu breitem Mainstream. Auch der sporadisch gehörte und wohldosierte orientalische Anstrich steht den jeweiligen Stücken in seinem orchestralen Gewand hervorragend zu Gesicht.

Die Songstrukturen sind simpel gehalten, der Klargesang des Herrn Ribeiro überwiegt, zeitweise eingestreute Growls wirken nicht fehlplatziert, alles ist sauber arrangiert und klangtechnisch feinstens aufeinander abgestimmt. Einzelne Titel hervorzuheben fällt mir hierbei schwer, hat doch ein jedes seinen eigenen Charme.

Es vergeht eine düsterromantische Dreiviertelstunde, bis zum sanften Ausklang von „The Future Is Dark“, nach welchem ich dachte, den passendsten Abgang dieses dunkelroten portugiesischen Weines erlebt zu haben… aber neiiiiiin: „La Baphomette“ hat etwas dagegen. Ein komisches Element musste wohl dann doch noch sein – und so bespaßt uns der Bariton zum guten Ende noch mit ein paar simplen Französisch-Vokabeln, eingebettet in Trauermarsch-Gebläse und Barpianisten-Geklimper. Eine den Gesamteindruck nicht schmälernde Randnotiz.

So steht es nun da, ein neues Moonspell-Dunkelding – so eingängig wie mein erstes Fahrrad, aber hoffentlich langlebiger – schöne, homogene Asche! 

Tracklist:Moonspell - Extinct Album Cover

01. Breathe (Until We Are No More)
02. Extinct
03. Medusalem
04. Domina
05. The Last Of Us
06. Malignia
07. Funeral Bloom
08. A Dying Breed
09. The Future Is Dark
10. La Baphomette
[hupso]


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