Herzensschön – Fotoparade: Best Of Halbjahr 1/2015

Titelbild Herzensschön Fotoparade

Was immer ich in den vergangenen Wochen auf meinen, von Neu- und Wissbegier geprägten, Streifzügen durch das Internet und dabei besonders die Blogosphäre entdeckte, rezipierte und betrachtete, früher oder später stieß ich auf die Fotoparade „Best Of Halbjahr 1/2015“, ins Leben gerufen von Michael auf seiner beschaulichen Webpräsenz Erkunde die Welt – und jedes Mal aufs Neue geriet ich verzweifeltes Hadern. Es schien, als spräche eine unbekannte Stimme zu mir, hämisch, fast boshaft sogar, wohl wissend, welche Worte es sorgsam zu wählen galt, um zielsicher einen angeschlagenen Nerv meinerseits zu treffen. Spitzfindig wisperte sie: “Ich spüre ganz genau, wie gerne auch du, geleitet durch deine geweckte Passion für den Umgang mit der Kamera, deinen Beitrag zu diesem Aufruf leisten willst, aber du hast nicht das Zeug, das Material dazu. Und warum? Weil du in vielerlei Hinsicht unachtsam warst. Selbst schuld, dass die Linse deines Lieblingsobjektives nun ein unschöner Kratzer ziert, der jede zweite Bildaufnahme unbrauchbar macht, du hättest besser aufpassen müssen. Auch hättest du weiter reisen müssen, um spektakulärere Motive einfangen zu können. Und davon, dass dir in diesem Jahr bisher überwiegend das rechte Händchen fehlte, um Situationen derart digital einzufangen, damit sie wenigstens deinen eigenen Ansprüchen genügen, will ich gar nicht erst anfangen.“

Seufz. Den mahnenden Sentenzen meines Unterbewusstseins hatte ich nichts hinzuzufügen – ein Fluch, dass man selbst sich immer so ausgesprochen gut kennt – und so zog ich ein jedes Mal, wenn es mich wieder auf Michaels Blog verschlagen hatte, weiter, wehmütig und traurig fast. Doch da ihr nun jene Zeilen hier lest, muss es einen entscheidenden Wendepunkt gegeben haben, welcher mich doch noch dazu brachte, der Aktion im letzten Moment meine aktive Teilnahme zu widmen, oder? Ja, diesen entscheidenden Augenblick erlebte ich tatsächlich, als ich – wie ich es regelmäßig und erfüllt von Glück tue, um in seligen Erinnerungen zu schwelgen und mich meines, und ganz besonders des antiomnischen, Daseins im Hier und Jetzt zu freuen – unsere gesammelten Fotowerke, fernab jeder Parade oder jedes Wettbewerbes, betrachtete und mir dabei plötzlich eines klar wurde: Es geht nicht immer darum, das technisch perfekteste Bild aufzunehmen (schließlich bin ich kein professioneller Fotograf, der mit eben dieser Arbeit sein Brot verdient), sondern solche von tieferer, persönlicher Bedeutung, die bewegen, erzählen, erinnern – und das vielleicht manchmal gerade dank ihrer Imperfektion. Ebenso wenig müssen es nicht immer die spektakulärsten Motive von den weit entferntesten Orten sein, denn auch ein Dorfteich kann hübsch sein und das ganz ohne karibischen Sonnenschein, feinsten Sand und glasklares Wasser.

So abgedroschen die Floskel auch sein mag, ihrem offenkundigen Wahrheitsgehalt kann sich kaum einer entziehen: Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Und wenn ich mir Fotografien jüngst vergangener Tage ansehe, die von Ausgelassenheit, Glück und Zufriedenheit zeugen, dann vermögen diese mir auch dann das Herz zu erwärmen, wenn sie nicht unbedingt das Potential haben als Hochglanzdrucksache eine Ausstellung oder Zeitschrift zu zieren. Ja, es gibt sie also doch: Unsere schönsten Bilder aus der ersten Hälfte des laufenden Jahres, welches sicherlich nicht geprägt war von abenteuerlichen Expeditionen, gewiss aber von jeder Menge Respekt und tief empfundener Hochachtung für die kleinen, aber dennoch so unumstößlich wichtigen Dinge des Lebens – Herzensschön…

Die schönste Landschaftsaufnahme

Westerhever Herzensschön
Nach unserer prägenden Begegnung mit dem Pilsumer Leuchtturm im letzten Jahr verzehrten wir uns nach einem neuerlichen Besuch eines solch wunderbaren Bauwerkes. Das wunderschöne Leuchtfeuer Westerheversand hatten wir längst als nächstes Objekt unserer Begierde auserkoren, und als die Sehnsucht (auch danach, wieder erfrischende Seeluft in die Lungen einzusaugen und unsere spezielle Sandstrandsammlung zu vergrößern) allzu unerträglich wurde, fuhren wir im April endlich die knapp 500 km nach Schleswig-Holstein, widrigen Winden und penetrantem Regen trotzend, um schließlich von der Schönheit des Wattenmeeres vollumfänglich für die weite Fahrt belohnt zu werden.

Das schönste Tierfoto

Herzensschön Fotoparade Tier Lamm
Hier böte sich selbstverständlich ein Abbild unseres gar wunderprächtigen Hauskaters Gimli an, welcher als erfahrenes Model, besonders schlafenderweise (das beherrscht er definitiv am Besten), immer für ein „Ach, wie niedlich er anmutet“ gut ist. Da wir jedoch keine Scheinwahrheiten verbreiten möchten (dieser Lausebengel, der er ist), haben wir uns stattdessen für das Lämmchen entschieden, welches uns den einnächtigen Aufenthalt auf einem Bauernhof in Leuchtturmnähe versüßte (Vollkommen unbedarft verfasste ich diese Zeilen, frei von jedwedem bösen Gedanken – bis mich Anti beim Korrekturlesen darauf hinwies, der gemeine Leser könnte meinen, wir hätten das putzige Tier verspeist oder gar Schindluder der noch unschöneren Art mit ihm betrieben. Nein, was ich zum Ausdruck bringen wollte ward lediglich die Tatsache, dass uns das Privileg zuteilwurde, das Babyschaf nebst seiner Herde aus nächster Nähe im hauseigenen Stall bewundern zu dürfen. Jawohl.).

Die schönste Städteaufnahme

Bad Bentheim Cityview Herzensschön
Bereits zweimal hat es uns zur ehrfurchtgebietenden Burg Bad Bentheim verschlagen, doch kamen wir (nach unseren ausgiebigen Shopping-Touren im sehr benachbarten Holland) bisher immer zu spät, um sowohl dem Bauwerk als auch der Stadt selbst die Menge an Zeit zu widmen, die beide verdienen. Dennoch hatten wir Anfang Juni genügend Glück, um noch einen Blick vom altehrwürdigen Turm hinab über das Kurörtchen werfen zu können.

Die schönste Architekturaufnahme

Herzensschön Fotoparade Architektur Burg Bad Bentheim
Gerne hätten wir, wie ursprünglich vom Initiator der Fotoparade angedacht, an dieser Stelle unser tollstes Winterbild präsentiert – nur waren wir leider, in der einen Stunde, zu welcher nicht nur Väterchen Frost, sondern auch Frau Holle sichtbar im beschaulichen Laer zugegen war, nicht an Ort und Stelle. Deswegen haben wir uns für eine Architekturaufnahme entschieden, ebenfalls entstanden auf der Burg zu Bad Bentheim. Sie erinnert mich jedes Mal aufs Neue daran, ob es nicht doch noch erstrebenswert wäre ein zweites berufliches Standbein als Prinzessin aufzubauen.

Die schönste Frühlingsaufnahme

Herzensschön Fotoparade Frühling Gerbera
Obschon die Gerbera auf diesem Bild leider schon das zeitliche gesegnet hatte, fanden wir sie nach wie vor wunderschön, besonders, weil sie auf unserem heimischen Balkon den Frühling und die darauf folgende, immerhin temporäre, Blumenpracht einläutete. Ein grüner Daumen will wachsen und wir arbeiten leidenschaftlich daran.

Unsere absolute Lieblingsaufnahme

Herzensschön Fotoparade Lieblingsfoto Ewaldibach Laer
„Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah“ hat man die, minimal vom Originaltext abweichenden, gar trefflichen Zeilen Johann Wolfgang von Goethes zum geflügelten Wort werden lassen. Nein, wir schweifen nicht immer, gar oft sehen wir einfach nur aus unserem Küchenfenster oder ein paar Schritte über die Straße vor der Haustür und sehen dann, was ihr auf diesem unserem Lieblingsbild seht. Wir freuen uns an jedem einzelnen Tag, dass wir es hier, wo wir wohnen, so unfassbar schön haben!



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