Unboxing – I ♥ Surprises: Wieso ausgerechnet ich?

Unboxing - I love surprises
Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt

Ob sich dieser, inzwischen zur allgemein geläufigen Phrase gewordene, Ausspruch nun zweifelsfrei auf den nicht ganz unbekannten „Max und Moritz“-Urheber Wilhelm Busch zurückführen lässt oder nicht, ist in Hinblick auf den Wahrheitsgehalt jener Worte vollumfänglich irrelevant. Wenn mir jemand noch vor ein paar Monaten gesagt hätte, ich würde, in Erwartung der postalischen Lieferung einer Beautybox, wie ein bis zum Anschlag aufgezogenes Duracell-Häschen rastlos von Fenster zu Fenster hetzen, um als finalen Akt der Erlösung das geheiligte gelbe Auto zu erspähen, dem hätte ich als Vogel einen ausgewachsenen Albatros präsentiert. Es ist nicht etwa, dass ich keine Überraschungen und Geschenke mag – selbstverständlich mutiere auch ich beim Erhalt und Auspacken, wünschenswerterweise möglichst liebevoll gestalteter, Präsente regelmäßig zum großäugigen, spannungsgeladenen Kind, unfähig etwaige Freude oder Enttäuschung ob des freigelegten Inhaltes zu verbergen (Die weihnachtliche Erinnerung an den verheißungsvoll großen, bunten Karton und den schließlich darin befindlichen Staubsauger – so notwendig eine solche Gabe zum damaligen Zeitpunkt auch gewesen sein mochte, Mum – treibt mir bis heute beachtliche Krokodilstränen ins Gesicht. Schnüff!). Aber es gibt eben Dinge, die schenkt man mir einfach nicht (Es sei denn, man zählt Sadismus zu einem seiner größten Hobbies – das wäre eine für mich akzeptable Entschuldigung), respektive die würde ich mir auch nicht selbst kaufen. Eine Kartonage randvoll mit allerlei Schokolade, Fruchtgummi und Chips? Her damit! Ein Paket mit den neuesten Thrillern oder den gruseligsten Filmen? Nehm ich! Ein Starterset für die freundliche Psychopathin von Nebenan, quasi Serienmord für Einsteiger? Ja, bitte! (Sollte für Letzteres übrigens jemand demnächst die Markteinführung planen, ich stelle mich mit dem größten Vergnügen als Testerin zur Verfügung. Nur fürs Protokoll.) Aber eine Beautybox? Nein, danke, um nicht zu sagen: Um Gottes Willen, niemals nicht und nimmernie!

Was der Bauer nicht kennt…

Bübchen HimbärspaßEin Blick in mein prätraumatiches (Ich erlaube mir, die hässliche Trennung von diesem durch und durch schlechten Individuum derart dramatisch zu bezeichnen) Badezimmer, wäre ganz gewiss der wahrgewordene Nachtmahr eines jeden verkaufswilligen Drogeristen: Seit Jahren die gleiche Sorte Duschgel, Shampoo, Deo und Bodylotion – selbst die Zahnpastamarke wechselte ich seit mehr als einer Dekade nicht mehr. Parfum? Hatte ich. Eines um genau zu sein (Ein, selbstverständlich durchaus gewagtes, Geschenk aus lange vergangenen Tagen). Nicht, dass an dieser Stelle ein falscher Eindruck meines gestrigen Ichs entsteht: Mir war es sicher nicht grundsätzlich egal, wonach ich rieche, allerdings hatte ich mich, dank sehr leidgeplagter Neurodermitis-Haut damit abgefunden, bewehrte Produkte (überwiegend solche, die für Babys konzipiert wurden) zu verwenden, auf die ich nicht mit Pusteln und Rötungen reagierte (Auf meinen Bübchen Himbärspaß* lasse ich auch nach wie vor nichts kommen!). Darüber hinaus ward ich fest davon überzeugt, dass eine zu starke Dosierung jedweden Duftwässerchens mir Kopfschmerzen bereitete – eventuell aus Solidarität zu meiner Omi, welche nach eigener Aussage „allergisch auf wirklich ALLE Parföngs“ ist (Wo ich das gerade so sehe, kann ich nicht glauben, dass es tatsächlich eine angewandte pädagogische Strategie zum Erlernen des Schreibens ist, Worte haargenau so zu notieren, wie man sie hört und vermeintlich ausspricht. Tststs…). In Bezug auf Schminke erwies ich mich übrigens ähnlich draufgängerisch wie in Sachen Körperpflege: Die breite Palette der sich in meinem Besitz befindlichen dekorativen Kosmetika reichte von einem schwarzen Kajal und der passenden Mascara bis hin zu einem (in Worten EINEM) braunen Lidschatten. Und Schmuck trug ich ohnehin selten bis nie, also brauchte ich auch solchen Firlefanz nur in Maßen, keinesfalls in Massen.

Komplimente sind wie Parfum – Sie dürfen duften, aber nie aufdringlich werden

Daisy Holiday PinkDoch manchmal ändern sich Dinge, Ansichten, Bedürfnisse, Interessen – Menschen. Gleichwohl mir der Auslöser für meine Metamorphose von der schwarzgekleideten Metallerin zur pastellummantelten Einhornprinzessin mehr oder minder bekannt ist, bedürfte es wohl eines sprachgewandten und humorbegabten Psychologen, um mir die Gründe dafür, warum ausgerechnet ich meinen Trennungsschmerz in rosaroten Sternenstaubwolken ertränken musste, in für mich ganz persönlich zufriedenstellender Weise darzulegen. Ich selbst komme einfach nicht drauf, so sehr ich mir auch lange Zeit den Kopf darüber zerbrochen habe. Inzwischen habe ich aufgehört nach Antworten zu suchen, schließlich ist das Kind ohnehin in den Brunnen gefallen: Der Inhalt meines Kleiderschrankes hat sich von 100% schwarz in 97% hell formatiert, ich mag inzwischen sogar Goldschmuck und gehe freiwillig in Parfümerien, auf der Suche nach Düften, die mir gefallen (respektive in einen derart entzückenden Flacon gefüllt wurden, das man unmöglich widerstehen kann, wie mein abgelichtetes Daisy* ♥). Gruselig, aber: Ich fühle mich wohl dabei, was definitiv das Wichtigste bei der ganzen Sache ist. Obschon sich meine Veränderung einigermaßen drastisch, vor allem aber unerwartet, vollzogen hat, wage ich dennoch zu behaupten, dass aus mir niemals jemand werden wird, der Schminktutorials dreht – da gehe ich lieber Dart spielen und trinke mir dabei das eine oder andere Bierchen. Aber: Ich lege Wert darauf, dabei gut zu riechen, und das nicht immer nur nach Himbärspaß* 😉 . Ich bin nun offen für Neues – habe dabei im Speziellen eine Affinität für Kokos-Produkte entdeckt – empfinde tatsächlich Freude, wenn ich beispielsweise eine besonders tolle Bodylotion erstanden habe und, last but not least, könnte mir gar vorstellen, die eine oder andere Zeile über das Thema Schönheitspflege zu verfassen. Das, in Verbindung mit dem ureigenen Mädchen-Geschenke-Jagdinstinkt, hat mich schließlich mit einem dieser Tage recht zeitgenössischen Virus infiziert: Unboxing. Ich MUSSTE unbedingt eines dieser Beautypäckchen haben, über die so viele bloggen und vloggen. Ob sich die Infektion langfristig halten oder schnell geheilt werden kann? Ich lasse mich überraschen…!



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