BITTER PIECE – Vastyrion Rising

Als Musiker hat man im Grunde immer irgendwie die Arschkarte. Bewegt man sich zu sehr auf einer Schiene, finden es die Kritiker langweilig, wohingegen ein hohes Maß an Abwechslung schnell zum unüberwindbaren Kauderwelsch degradiert wird. Und dann muss natürlich alles von der ersten Sekunde an stimmen, sonst wäre das Ganze ja irgendwie mit übermäßiger Hörarbeit verbunden. Letztere hat man beim Full-Length-Debüt  der Osnabrücker Bitter Piece in jedem Fall schon mal, auch wenn sich sehr schnell herausstellt, dass diese zu der seltenen Gattung der wirklich spaßmachenden Arbeit zählt, denn: „Vastyrion Rising“ mag zwar nicht von Takt 1 an zu ekstatischen Gefühlsausbrüchen animieren, das Interesse am Dargebotenen ist jedoch allemal schon beim ersten Durchlauf  der stattliche 12 Tracks umfassenden Special Album Edition geweckt.  Gönnt man der Scheibe ein paar Durchläufe, gibt es für das geneigte Ohr viel Schönes zu entdecken, auch wenn es gar nicht mal so leicht ist Bitter Piece einer speziellen Zielgruppe aufs Auge zu drücken. Das Osnabrücker Quintett nämlich wagt die Abwechslungs-Variante und versucht sein Glück mit einer, spätestens auf den zweiten Blick, angenehm stimmigen Mischung aus Death- und Thrash-Elementen, die genreoffen mit allem liebäugelt was gefällt, was dann auch schon mal dezente Core-Anleihen sein können. Was Bitter Piece jedoch am meisten in ihrem Bestreben vielfältig zu klingen auszeichnet, ist, dass sie ihren roten Faden konsequent beibehalten. So haben etwa die charakteristischen Riffs einen hohen Wiedererkennungsfaktor, egal welches Genre einen Song gerade dominieren mag. Über allem thronen fast über die komplette Albumlänge, besonders für ein Debüt-Album ungewöhnlich, starke Melodien, die trotz ihrer Eingängigkeit (hier sei besonders das mit hohem Sucht-Faktor versehene „Horizon“ hervorgehoben) dem permanenten Willen der Band, ihrem Hörer mit viel Speed ordentlich in den Arsch zu treten, in keiner Weise im Wege stehen. Auch an Fronter Mariano gibt es absolut nichts auszusetzen, macht er sowohl als aggressiver Shouter als auch in ruhigeren Momenten eine gute Figur. Es gibt also eine ganze Menge gute Gründe, sich „Vastyrion Rising“ zu Gemüte zu führen. Wem dies bisher noch nicht genug waren, der darf noch in Erwägung ziehen, die Scheibe der Osnabrücker als offiziellen Soundtrack zum bevorstehenden Weltuntergang zu nutzen, denn als hätten die Jungs es geahnt, gibt es textlich auch apokalyptisches Gedankengut zu entdecken. So kann man besonders mit „End Of Days“ gepflegt ins Ende moshen! Alles in allem ein erstaunlich gutes Debüt, mit dem sich Bitter Piece sowohl für weitere Outputs, als auch besonders für die im Januar bevorstehende Tour empfehlen.

Tracklist:

01: ImpactBitter Piece - Vastyrion Rising Cover
02: I Seek Revenge
03: Taken
04: Horizon
05: Sun’s Eruption
06: End Of Days
07: Capital Wasteland
08: The Curtain Is Closed
09: Ruthless Aggression
10: The Wall In You
Bonustracks:
11: Within his Eyes
12: Killing Fields

 

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