LEUCHTTÜRME: Im Sand, am Strand und anderswo – PILSUMER LEUCHTTURM

Leuchtturm Pilsum

Der Pilsumer Leuchtturm ist, nicht zuletzt aufgrund seines markanten, außergewöhnlichen Anstriches, eines der bekanntesten Bauwerke seiner Art in Deutschland. Im Folgenden möchte ich zum einen unsere ganz persönliche Kennenlerngeschichte erzählen, die den Beginn einer leidenschaftlichen Liebe und damit auch den Beginn unserer Vade|me|cum-Reihe „Im Sand, am Strand und anderswo“ darstellt, und zum anderen all jenen, die grundsätzlich an der Thematik interessiert sind, eine kleine Orientierungshilfe für einen etwaigen eigenen Besuch an diesem prächtigen Fleckchen Erde an der Nordseeküste bieten.

Der Pilsumer Leuchtturm – Unsere Geschichte

Wir waren an diesem mitunter recht trüben, und somit verregnetes Vergnügen verheißenden, Aprilnachmittag ohne bis in das kleinste Detail ausbaldowerten Masterplan gen Norddeich, dem niedersächsischen Nordseeheilbad, aufgebrochen. Die einzige, unumstößliche Gewissheit unseres imaginären Reisegepäcks war der zutiefst empfundene Wunsch, Sand unter unseren Füßen zu spüren, die von unendlicher Freiheit kündende Weite eines Meerblickes zu genießen und die Reinheit einer steifen, urtümlichen Brise tief in uns aufzusaugen. Unsere Hoffnungen auf einen wunderschönen Samstag wurden von der Natur Ostfrieslands vollends erfüllt und allzu mühelos übertroffen – die Sonne am menschenleeren Strand ging, so schien es dem A und der O, an diesem Abend nur für uns allein in den prächtigsten Farben über dem Wasser unter. Wir fühlten uns vollkommen und hätten keiner weiteren Begebenheit bedurft, um diesen Frühlingstag in unseren Gedanken und Herzen als eine elysische Erinnerung für die Ewigkeit einzuschließen.

Doch Väterchen Zufall hielt, überschwänglich wie er nur selten zu sein pflegt, noch eine weitere Offenbarung für uns bereit, ihren Ursprung darin findend, dass wir auf unserem Rückweg von den inzwischen nachtschlafenen Dünen hin zu unserem, ein immenses Maß an Gemütlichkeit in Aussicht stellendem, Hotel Opel Astra, einen Blick auf die hölzerne, touristische Umgebungskarte warfen, welche auf dem norddeich’schen Großparkplatz beim Erlebnisbad „Ocean Wave“ für ein wenig Orientierung sorgen sollte. Dort entdeckten wir, offensichtlich nicht allzu weit von unserem Standort entfernt (und das Navigationsgerät bestätigte diese Vermutung im Anschluss mit einer geschätzten Entfernung von ca. 20 Kilometern), einen Leuchtturm. Obschon es bereits dunkel war, beschlossen wir, wo wir schon mal in der Nähe waren und der Kofferraum unseres mobilen Schlafgemaches ruhig noch ein wenig auf uns warten konnte, in die vorgegebene Richtung aufzubrechen, davon ausgehend, dass ein solches Bauwerk seinem Namen genug Ehre machen würde, als dass unsere Augen auch bei sternenklarer Nacht imstande sein würden, genug wahrzunehmen, um ob des Anblicks zu staunen.

Leuchtturm PilsumWider unsere Erwartungen wies uns kein Licht den rechten Weg zum erklärten Ziel, und so waren wir, nachdem wir zur Endstation für motorisierte Fortbewegungsmittel in Form eines kleinen Parkplatzes gelangt waren, allein auf die besucherfreundliche Beschilderung angewiesen, um unsere spontan auserkorene Destination zu erreichen. So liefen wir gegen den peitschenden Wind an, gespannt, wann sich der Pilsumer Leuchtturm wohl endlich aus dem Dunkel der Nacht erheben würde. Wir marschierten – und schließlich gab der Mond das stattliche Metallbauwerk doch noch preis. Die Sicht war suboptimal und vieles, wie etwa das Strahlen der roten und gelben Streifen, konnten wir nur erahnen. Und doch traf uns die Erkenntnis mit einer indiskutablen, selbstverständlichen Klarheit: Wir würden morgen, bei Tage, noch einmal wiederkommen (und das nicht nur, weil sämtliche Versuche, Gesehenes fotografisch adäquat festzuhalten zu dieser späten Stunde scheiterten) und es würde nicht dabei bleiben, denn eine ungeplante, aber dafür umso entzückendere Passion ward in dem Moment geboren, als der A und die O, sich an den Händen haltend, am Fuße des kleinen Riesen standen und ihn im Scheine unseres beruhigenden Erdtrabanten bestaunten.

Am außerordentlichen frühen Sonntagmorgen – Hotel Astra hatte übrigens gehalten, was es versprach und uns dementsprechend noch vor dem ersten krähenden Hahn hinaus ins Freie getrieben – beobachteten wir am verwaisten Strande Norddeichs, wie die vortags derart prunkvoll für uns untergegangene Sonne nicht minder beeindruckend ihren Weg zurück zum Firmament fand. Wir genossen den so idyllischen Moment in vollen Zügen, bevor wir erneut nach Pilsum aufbrachen. Petrus war uns – wenn ich es einmal neutral betrachte und darüber nachdenke – wie schon so oft unsagbar hold, uns so hatten wir die unbezahlbare Gelegenheit, den Leuchtturm in seiner vollen Pracht, unter strahlend blauem Himmel (nebst fluffigen Wolkenspiels) mit glänzenden Augen zu bewundern – ein denkwürdiger Anblick, den wir nicht mehr missen möchten und der uns immer daran erinnert, dass man im oft so stressigen Leben viel weniger benötigt um vollends glücklich und zufrieden zu sein, als man mitunter vermutet. Oft reicht es, sich der Schönheit und Anmut eines kleinen Ortes bewusst zu werden und einmal tief die frische Meeresluft einzuatmen.

Der Pilsumer Leuchtturm – Seine Geschichte

Leuchtturm Pilsum far far awayDie Untere Ems zwischen Papenburg und der Flussmündung in die Nordsee war noch bis Ende des 19. Jahrhundert ein für den Schiffsverkehr außerordentlich gefährliches Pflaster. Während dies die verantwortliche Regierung Hannover offenbar nicht weiter zu stören wusste (hatte man sich doch auch um den Emdener Hafen nicht allzu aufopfernd gekümmert), kam 1866 mit der Übernahme Ostfrieslands durch die Preußen und der Gründung des Kaiserreichs 1871 eine entscheidende Wende. Aufrüstung und der Ausbau von Handelsbeziehungen verstärkten die Bedeutung des Emdener Hafens für die Wirtschaft, weshalb man diesen auch bei Nacht gefahrlos ansteuern können sollte – dies war bis dato aufgrund des vielfach gewundenen Fahrwassers der Unterems unmöglich. Den Weg aus dieser Misere ebnete das Projekt „Beleuchtung der Unter-Ems“, eine preußisch-niederländische Kooperation, die den Bau eines Leuchtfeuersystems für diesen so kritischen Teil des Gewässers vorsah und alsbald auch in die Tat umsetzte, in Form von fünf Leitfeuern (und zwei Querfeuern), welche jeweils einen festgelegten Sektor auf der betroffenen Strecke absichern sollten: Leuchtturm Campen (DE), Kleiner Leuchtturm Borkum (DE), Leuchtturm Watum (NL), Leuchtturm Delfzijl (NL) und schließlich der Pilsumer Leuchtturm. Letzterer, um den es hier gehen soll, wurde anno 1890 fertiggestellt und nach einer stattlichen Probezeit von mehr als einem Jahr wurde am 01.10.1891 der Leuchtturmbetrieb auf der Unteren Ems an allen fünf Projektbauten offiziell aufgenommen.

Dem eisernen Pfadfinder auf dem Nordseedeich nahe Krummhörns ward ein um einiges früheres Ende beschert als seinen Brüdern im Geiste, denn bereits im Juni 1915 ging er seinem Zwecke, nämlich der Befeuerung der Emshörnrinne, wieder verlustig. Zu dieser Zeit hinterließ der erste Weltkrieg seine Spuren und mit Außerbetriebnahme des Signalbaus sollten feindliche Schiffe Hinweisen auf die sichere Fahrrinne beraubt werden. Im Oktober 1919 erfolgte die endgültige Stilllegung des, damals noch vollends roten, später auch gänzlich grauen, Leuchtturms, welcher aufgrund der durch Sandablagerungen veränderten Fahrrinne auch wohlgesonnenen Schiffen den rechten Weg nicht mehr hätte weisen können, so sehr er es auch gewollt hätte.

Es folgte eine traurige Zeit für das heute weithin bekannte ostfriesische Wahrzeichen. Die Besitzurkunde ging durch allerlei Hände, und viele Dekaden lang wurde das Bauwerk sich selbst überlassen, bis es schließlich 1972 in einem derart mitleiderregenden Zustand war, dass man sogar darüber nachdachte, den Leuchtturm völlig aus der Landschaft zu löschen. Lobet den Herren entschied man sich jedoch für eine zeit- und geldaufwändige Sanierung und der einstige Signalbau bekam im Zuge der im Frühjahr 1973 beginnenden Rettungsmaßnahmen erstmals seinen inzwischen so berühmten rot-gelb geringelten Farbanstrich. Das letzte, und wohl wichtigste Kapitel in der langen Reanimationsgeschichte Pilsums stellt die Besitzübernahme seitens der Deichacht Krummhörn anno 1998 dar, welche das immens landschaftsprägende Leitfeuer außer Dienst seitdem, wenn nötig, repariert, hegt und liebevoll pflegt und welcher jeder Besucher es zu verdanken hat, dass der Leuchtturm auch heute noch in vorzüglicher Weise strahlt, Besucher anlockt und ein durchaus beliebter Schauplatz für Film- und Werbetreibende (Otto – Der Außerfriesische beispielsweise) ist.

Der Pilsumer Leuchtturm – Fakten auf einen Blick

  • Standort: Unterems zwischen Greetsiel und Pilsum an der Nordseeküste, nordwestlich von Emden und ca. 20km von Norddeich entfernt
  • Höhe: Feuerträger 11 m, Feuer 15 m
  • Lage: 53° 29′ 52,5″ N, 7° 2′ 44,4″ O
  • In Betrieb: 1891-1915 als Leitfeuer
  • Betriebsart: Petroliumdochtlampe

Der Pilsumer Leuchtturm – Wissenswertes für Besucher

    • Der Leuchtturm ist ganzjährig von außen frei zugänglich und vom hauseigenen Besucherparkplatz startend, bequem per pedes in 10-15 Minuten zu erreichen. Der komplette Weg ist bepflastert.
    • Im Rahmen von Gästeführungen ist der Leuchtturm an speziellen Tagen (hauptsächlich in der Sommerzeit) für Besucher bei freiem Eintritt geöffnet. Die konkreten Termine können über das Greetsieler Tourismusportal eingesehen werden. Auch Sonderanfragen bezüglich Gruppenführungen können dort entrichtet werden.Leuchtturm Pilsum Souvenir Medaille
    • Seit 2004 darf besteht die Möglichkeit im Pilsumer Leuchtturm standesamtlich zu heiraten. Wer daran Interesse hat, meldet sich, langfristig (da sehr beliebt) bei der Gemeinde Krummhörn.
    • Für alle romantisch veranlagten Besucher gibt es am Turm mehrere, dafür vorgesehene, Gitter zum befestigen von Liebesschlössern* (Vorbereitung ist alles!), welche bisher auch hoch frequentiert in Anspruch genommen wurden.
    • Allen, die von ihren Ausflügen gerne ein Andenken mitnehmen, kann ich empfehlen, eine 1-Euro- und eine 5-Cent-Münze bereit zu halten, unweit des Leuchtturms steht ein Automat zum Prägen einer Souvenir-Medaille.

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