Omni Shopping Queen – Mit dem Porsche aus der Dart-Krise?

Dart TARGET Carrera C3

Wenn man im Leben einen Lauf hat, strotzt man nur so vor Selbstbewusstsein, ist über jeden noch so kleinen Zweifel erhaben. Einschlägige Fachgespräche zum Thema Darts laufen alle nach einem ganz spezifischen Schema ab: So spricht etwa der Neider: „Hey, Du siehst aber komisch aus, wie du da so skurill stehst und noch seltsamer wirfst!“ „Ja, verdammt kuhl, oder?“, antwortest du nur, mit einem dominanten, grenzdebilen Lächeln im Gesicht. „Diese Speere da in Deiner Hand, das sollen richtige Pfeile sein?“, stichelt der Neider weiter. „Hömma, du Kasper, ich treff selbst mit Zahnstochern mehr Triple als Du!“ konterst du vollkommen wahrheitsgemäß in ruhigem, aber bestimmten Ton. „Du hast doofe Ohren!“ grummelt der Neider vollumfänglich unsachlich, realisierend, dass er dich niemals wird verunsichern können. „Selber!“, verpasst du ihm haushoch überlegen den finalen Todesstoß, auf dass er sich nie wieder erdreisten möge, dein dartives Geschick anzuzweifeln. Ja, keine Frage, läuft bei dir!

Weib! Ab an den Krisenherd!

Doch wehe wenn nicht. Denn um ein vielfaches einfacher, das werden gewiss einige von Euch bestätigen können – auch diejenigen, die nicht ganz so offensichtlich der Spezies Schissbuchse angehören wie meine Wenigkeit – als die tollkühne Beweihräucherung seiner selbst ob der eigenen herausragenden Missetaten, ist der unvermeidbare Weg in die Krise. Dieser wird spielerisch zum gefährlichen Selbstläufer – erst einmal auf den Wagen der göttlichen Offenbarung Mark- und Dart-erschütternder Defizite aufgesprungen, gibt es kein Entrinnen mehr – volle Fahrt voraus. Ehe du dich versiehst, befindest du dich mitten in einem ausgewachsenen Formtief, unheilvoll heraufbeschworen von niemand geringerem als dir höchstpersönlich. Herzlichen Glückwunsch und willkommen – mach es dir bequem, nimm dir ’nen Keks (und nur ein einzelnes Kreuz bitte), denn sei dir dessen gewiss: Dein unfreiwilliger Aufenthalt hier wird höchstwahrscheinlich sehr viel länger dauern, als dir lieb ist – zumindest dann, wenn zu deinen breit gefächerten Ausstattungsmerkmalen die ganz wunderprächtige Veranlagung zählt, leidenschaftlich gerne und intensiv argloses Opfer deiner, zu allem Übel im Wesentlichen autodeterminierten, Unsicherheit zu werden.

Da fliegen die Darts mal an zwei, drei Abenden nicht kerzengerade, und Hex Hex, sieht unsere einleitende Konversation plötzlich wie folgt aus: So spricht etwa der spontan zur kompetentesten Koryphäe des Metiers ernannte Artist formally known as Neider: „Hey, Du siehst aber komisch aus, wie du da so skurril stehst und noch seltsamer wirfst!“ „Ja, ich weiß, es fühlt sich auch irgendwie nicht richtig an, kein Wunder, oder?“ antwortest du mit einem dein peinliches Auftreten hoffentlich entschuldigendem Lächeln im Gesicht. „Diese Speere da in Deiner Hand, das sollen richtige Pfeile sein?“, kritisiert der Experte vollkommen konstruktiv und berechtigt weiter. „Hör mal, Du Kapazität, ich bin so dankbar für dein fachmännisches Urteil. Hättest du eventuell sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung einer für mich geeigneteren Ausrüstung führen könnten?“ erwiderst du gleichermaßen hoffnungsvoll und niedergeschlagen ob Deiner defizitären Vorbereitung kleinlaut im Flüsterton. „Du hast doofe Ohren!“ schließt die Koryphäe seine vollumfänglich sachliche Analyse der vorliegenden Tatsachen ab, wohlwissend, dass eine solch günstige Gelegenheit, auch auf grundsätzliche menschliche Mängel, den Spieler betreffend, hinzuweisen, unbedingt ergriffen werden sollte. „Ja, ich weiß, und es tut mir unfassbar leid, dass ich die leistungstragende Allgemeinheit mit solch nahezu unzumutbaren Ablenkungen belaste. Ich habe allerdings immerhin schon mit einem Chirurgen gesprochen. Eventuell kann man da optisch minimal verbessernd einwirken. Das wäre doch ein guter Kompromiss für uns alle, oder?“ versuchst du den finalen Todesstoß ein wenig abzudämpfen, obschon du ebenso gut wie der Meister persönlich weißt, dass dein Schicksal längst besiegelt ist. Ja, keine Frage, läuft bei dir – rasant gen Gedeih und Verderb.

Alles nur in meinem Kopf – Psychologie für Dummies

Ziltoid vs EinhornSelbstreflexion kann unfassbar unterhaltsam sein, die Fähigkeit, herzhaft über sich selbst lachen zu können, vorausgesetzt. Dann nämlich stößt man mitunter auf Slapstick vom allerfeinsten. Das tolle ist, dass die wissenschaftliche Disziplin der Psychologie für jeden noch so verworrenen Defekt der immens wichtigen Sozialintelligenz ein Erklärungsmodell mit möglichst wohlklingendem Namen liefert. So hätte etwa Sigmund Freud an meinem transzendentalen Über-Ich seine wahre Wonne. Es ist mir im Zuge dessen ein großes Vergnügen, Euch mitteilen zu dürfen, dass die moralische Instanz in meinem Gehirn mitnichten, wie viele es zu Recht erwarten würden, ein Einhorn ist. Auf meiner Schulter sitzt auch kein weltverbesserndes Engelchen, welches im rosaroten Tutu situationsspezifisch mahnend den Zeigefinger hebt. Nein. Mein Unterbewusstsein ist der Hasskasper (mein geliebter Ziltoid, bitte verzeih, dass ich dich für das Photo als eben jenen missbrauchte), destruktiv, sarkastisch, bitterböse – jedenfalls dann, wenn es um die Bewertung meiner selbst geht. „Hach, jetzt habe ich gegen den für mich eigentlich viel zu starken Lokomotivführer Lukas mal ein richtig gutes Leg gespielt, welches ich sogar checken konnte. Ob ich das wohl im weiteren Verlauf des Spiels…“ „Nö, du olle Jammertruller. Was soll die selten dämliche Frage? Kannst du nicht, wirst du nicht. Und jetzt werf gefälligst wieder daneben, DAS wenigstens hast du voll drauf.“ Ende der internen Diskussion. Sein Wille geschehe. Der Hasskasper lügt nicht. Niemals.

Mein absoluter psychologischer Liebling ist und bleibt jedoch (selbstverständlich neben dem immer wieder gern zitierten Teufelskreis) die selbsterfüllende Prophezeiung, respektive selbstzerstörende Prophezeiung, denn sie ist absolut logisch nachvollziehbar und so wahr, dass es fast schon gruselig ist. So wird jemand, der sich konsequent einredet, dass der Straßenverkehr unerhört gefährlich ist, was wiederum in einer ausgewachsenen Angst mündet, höchstwahrscheinlich bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommen. Doch des Pudels Kern ist nicht etwa, dass der arme Schlucker im Tode Recht behalten hätten. Nein, der Witz ist, dass er das Unheil schlicht und ergreifend heraufbeschworen hat. Angst fressen Seele auf. Isso. An dieser Stelle die Brücke zum mental so empfindsamen Dartsport zu schlagen erfordert keine herausragenden interdisziplinären Fähigkeiten, denn die Konsequenzen offerieren sich auf dem sprichwörtlichen Silbertablett: Wenn ich mich in eine ausgewachsene Panik vor dem Versagen hineinsteigere, werde ich versagen. Wenn ich an diversen Kleinigkeiten zweifle, werden diese Kleinigkeiten zu haushohen Stolpersteinen. Wenn ich befürchte, ich könnte einer Dart-Krise bevorstehen, befinde ich mich schon mittendrin. Hogga sagt immer, und er hat ja sowas von Recht, man solle das Wort „Krise“ auf gar keinen Fall in den Mund nehmen, bestenfalls nicht einmal denken. Während sich ersteres noch ganz gut umsetzen lässt, ist zweiteres definitiv leichter gesagt als getan. Ein winziger Gedanke nur, und der Todeszug nach Yuma ist nicht mehr aufzuhalten. Notbremse Fehlanzeige. Sicher, der pfiffige Psychiater brächte an dieser Stelle noch die Strategie der Autosuggestion zur Sprache. Gutes Zureden, nicht für Pferde, sondern für sich selbst. Meditieren für den Weltfrieden, autogenes Training für ein Highfinish, Yoga für den perfekten Stand am Oche. Leider stößt die Macht der Psychologie hier an ihre, beziehungsweise meine, Grenzen. Ich kann nur negative Beeinflussung, die allerdings, das darf ich ganz unbescheiden anmerken, in nahezu perfekter Manier. Nicht, dass ich das positive Pendant nicht versucht hätte. Wirklich. Und ich mache für das Scheitern dieser Krisenbewältigungsstrategie nicht die Tatsache verantwortlich, dass ich noch immer nicht im Lotto gewonnen habe, obschon ich dreimal in der Woche ganz fest daran glaube, sogar mit Augen zukneifen – ja, derart fest. Nein, es ist, als würde der Versuch, mit einer durch und durch positiven Einstellung ans Board zu treten, den Hasskasper nur noch mehr motivieren, seinen perfiden Schapernack mit mir zu treiben. Es ist wie es ist. Ein Teufelskreis. Jawohl.

Die Gedanken sind frei – der Kern allen Übels

Zeit es auszusprechen, ohne Schachtelsätze, ohne allgegenwärtige Alliterationen, ohne Schnick und Schnack: Ich befinde mich in einer Dart-Krise. Und ja, es musste so kommen. Warum? Nun, weder das Darten an sich noch der Plan, Weltmeisterin zu werden, waren Reaktion auf die einschneidenden Ereignisse in meinem höchst privaten Umfeld – beides war schon vorher Teil meines Lebens, und nicht der Kleinste. Aber die persönliche Krise führte dennoch in zweierlei Hinsicht zur aktuellen Dart-Krise:

Nehmen wir zum Beispiel das seit mehreren Monaten fehlende Training zu Hause. Mein wunderschönes Oche (vielen Dank Marcel aka Schlaghose, ich bin nach wie vor ganz entzückt von deiner Arbeit) sieht mich jeden Tag traurig an (würde es wirklich, wenn es Augen hätte, da bin ich mir sicher) und fühlt sich zu Recht vernachlässigt. Aber: Ich muss es erst noch lernen, mich dazu aufzuraffen, aufzustehen und mich alleine ans Board zu stellen.  Dies kostet einiges an Überwindung, und da ist sie wieder, die Macht der Psychologie, wenn Du vorher monatelang einen Partner hattest, der sich annähernd jeden Abend gemeinsam mit dir einem mehrstündigen Trainingspensum gestellt hat. „Alleine ist das irgendwie doof und langweilig“, denkt sich die Jammertrulla. Aber irgendwie muss sie da durch. Stillstand ist der Tod. Come on…

Einen weiteren Beitrag zur Dart-Krise leistete mein annähernd zwanghaftes Bedürfnis, nicht alleine zu Hause zu sitzen, unter Leuten zu sein, der Wunsch, die Dämonen, die Wut, die Traurigkeit in der Wohnung zu lassen und sie mit Verlassen eben jener hinter mir einzuschließen. Manchmal funktionierte das und ein geselliger Abend gemeinsam mit der großen Dartfamilie, die wir doch irgendwie alle sind, wirkte, zumindest für ein paar Stunden, Wunder und brachte das Pochen der offenen Wunden für einen zwar kurzen, dennoch temporär erlösenden, Zeitpunkt zum Schweigen. Aber es gab definitiv Tage, geprägt von erschütternden Wahrheiten und Erkenntnissen, an denen der Weg ans auswärtige Board die vollumfänglich falsche Strategie ward. Wie sollst du auch nur einen Pfeil geradeaus werfen, wenn in deinem Kopf alles und jeder, nicht nur der Hasskasper, Krieg schreit? Tja, ganz genau, die Antwort ist: Gar nicht. Wenn die eigenen Gedanken absolut unfrei sind und das Herz damit beschäftigt ist, dem Dickschädel eine möglichst abendfüllende Kinovorführung mit jedwedem Unheil, welches dir jemals widerfahren ist, zu bieten, solltest du nicht zu deinem Sportgerät greifen. Denn Darts erfordert Konzentration, es erfordert einen freien Geist, erfordert dich im Einklang mit dir selbst. Bist du letzteres allerdings nicht, sondern nicht mehr als ein klägliches Opfer deines gerade absolut chaotischen und bedauernswerten Lebens, dann ist dein Spiel zum Scheitern verurteilt. Und obschon du, subjektiv betrachtet, definitiv gute Gründe dafür hast, peinliche Grütze ans Board zu werfen, fragt nachher niemand mehr nach dem Warum. Nicht mal du selbst. Ganz besonders nicht du selbst. Unter dem Strich bleibt ein Haufen Elend zurück, der mit jedem kleinen Scheitern zu einem unüberwindbaren Hindernis anwächst. Einfach mal eine Woche zu pausieren wäre vollkommen in Ordnung gewesen, vielleicht sogar die einzig richtige Entscheidung. Doch dafür ist es nun zu spät. Die Darts fliegen nicht mehr. Ich habe es geschafft, meine Krisenbewältigungsstrategie – Dart gegen den privaten Frust – vorbildlich in die persönliche Sinneskrise mit einzubeziehen. Keine halben Sachen. Applaus, Applaus.

Hilfe, alle wollen mir helfen

Glücklicherweise steht es um mein Selbstbewusstsein immerhin (noch) nicht ganz so schlecht wie bei unserem verunsicherten Konversationsprotagonisten. Meine Ohren finde ich ganz ok (obwohl dafür meine Nase ruhig etwas kleiner sein dürfte). Alle wirklich themenspezifischen Hinweise jedoch fallen während meiner andauernden Dart-Krise auf immens fruchtbaren Boden. Und derer gibt es nicht gerade wenige. Denn: Zu meiner großen Freude erinnern sich noch einige an den Auftakt meiner sagenumwobenen FTS-Karriere: Eine 180 in der allerersten Aufnahme. Darüberhinaus gibt es, mittlerweile halte ich das selbst kaum noch für möglich, tatsächlich Leute, die bereits gesehen haben, dass ich durchaus in der Lage bin, einen ordentlichen Dart zu werfen und auch mal ein Shortleg zu spielen. All diesen Kollegen, die in irgendeiner Weise Zeuge meiner vergangenen Großtaten wurden, ist natürlich nicht entgangen, dass in meinem Spiel momentan der resoluteste Raketenwurm seit Menschengedenken sein Unwesen treibt. Und die meisten von ihnen wollen mir helfen.

Einige wenige Motivationskünstler versuchen mich mit Sticheleien a la „Haste deinen komischen Wurfstil immer noch nicht geändert“ oder einer nicht minder hilfreichen Leistungszusammenfassung im Sinne von „Wie viele Legs hast du heute doch gleich gewonnen? Ach ja, keines, hihi!“ zum Erfolg zu dissen. Ich bin mir nicht sicher, welchen Gemütes man sein muss, damit diese Taktik zu einem positiven Effekt führt. Bei mir jedenfalls funktioniert diese Ausgeburt des Dirtytalks nicht. Aber herzlichen Dank für Deine Bemühungen, Bunting! 😉

Andere fragen schon etwas höflicher, ob ich hier und da schon einmal versucht hätte, etwas zu ändern. Witzigerweise, obschon ich der Welt größter Zweifler bin, habe ich das in der Vergangenheit kaum getan. Während Anti, als wir hier noch zu zweit trainierten, immer wieder versuchte, einen geeigneten Stand, die bestmögliche Haltung der Finger am Barrel und die perfekte Armbewegung zu finden und viel probierte, stand ich nahezu von Anfang an so wie ich es heute tue. Weil es sich richtig anfühlt. Da lasse ich auch nicht mit mir reden (einzig meine Fingerhaltung werde ich in nächster Zukunft einer kritischen Betrachtung unterziehen, obschon auch diese, aufgrund einer leicht verkürzten Sehne im kleinen Finger und damit verbundenem Unwohlsein bei den meisten Haltungen, ihre Geschichte hat).

Omnis BarrelsDie mir am sympathischsten Helfer sind selbstverständlich die, die meine Dart-Krise auf den falschen Materialeinsatz schieben, denn so kann ich mir schließlich ganz hervorragend einreden, es läge nicht an mir, sondern an der Gerät. Dass die meisten von Euch in der Lage sind mit gleich welchem Dart, den sie in die Finger bekommen, die Triple 20 nach kurzer Einwurfphase (wenn überhaupt) zu treffen, verdränge ich an dieser Stelle ganz bewusst (ja, mancherorts funktioniert dieser Erlösung spendende Mechanismus noch ganz gut). Stand zum Zeitpunkt des sich Zutragens der sich anschließenden Geschichte: Ich spiele meinen dritten Satz Darts. Angefangen habe ich mit 26g Barrels eines mir nicht bekannten Herstellers, die mir, wie sich bei regelmäßigem Spielen schnell herausstellen sollte, zu schwer waren. Weiter ging es mit dem Black Purist von McCoy* in der 22g Variante. Sowohl das verminderte Gewicht als auch der verstärkte Grip durch die Doppelringe lagen mir sehr viel besser als meine allerersten Barrels – McCoy und Miri in Sweet Harmonie. Dennoch wechselte ich ein weiteres Mal meine Darts, aus dem einfachen Grund, dass ich mir, als Geschenk, einen beliebigen Satz in einem Online-Shop aussuchen durfte. Da ich, wie erwähnt, mit meinem aktuellen Drilling recht zufrieden war, fiel meine Wahl auf den Unicorn Gary Anderson Phase 3* mit 23g Kampfeskraft. Dieser kam dem Puristen von der Griffigkeit (soweit ich das auf den Bildern beurteilen konnte) sehr nahe und, ein nicht zu verachtendes, weiteres Argument: Ich liebe sie einfach, diese Schotten.

Subsumtion: Meine bisher gespielten Barrels sind sich alle relativ ähnlich, schließlich frisst der Bauer ja auch nichts, was er nicht mindestens flüchtig kennt. Nun trug es sich allerdings zu, dass unabhängig voneinander, an unterschiedlichsten Spielorten, hochgeschätzte Kollegen auf mich zutraten und folgendes statuierten: Miri, mit deinem Wurfstil brauchst du Darts mit einem anderen Schwerpunkt, einem, welcher weiter vorne liegt. Da ich sowohl den Worten des Asis mit den blondierten Haaren (Stefan, mein Lieber, irgendwann bist Du fällig, egal wie gern ich Dich habe und ich verspreche Dir, es wird noch sein, bevor sich Deine Siegesbilanz gegen mich im dreistelligen Zahlenbereich aufhält 😛 ) als auch derer des wahren Gentles Uwe, dem stillen Beobachter, dessen Rat immer konstruktiv, niemals destruktiv ist (man hat auch sehr viel Zeit das Umfeld zu studieren, während man auf annähernd jedem FTS auf das Finale wartet, nicht wahr) großen Wert beimesse, hatte ich einen neuen Floh im Ohr: Ich würde mir, alsbald es die dieser Tage arg gebeutelte, Patte zulassen würde, neue Darts kaufen, diese haargenau so werfen wie die Vorgängermodelle und die Dart-Krise wäre Vergangenheit. Klingt nach einem Spitzenplan? Oh ja, vielen Dank, ich weiß!

Eine Frau tut, was eine Frau tun muss

Geld ist, nur solange der Gewinn der PDC-Weltmeisterschaft noch in nicht zu verachtender Ferne liegt versteht sich, oder bis sich jemand findet, der meine Dart-Karriere aus einem ausgewachsenen Anfall von Mitleid heraus, einen besseren Grund gibt es derzeit leider nicht, sponsert, ohnehin ein leidiges Thema, momentan jedoch mehr denn je, was nicht zuletzt ebenfalls einen nicht zu verachtenden Beitrag zum allgemeinen omnipräsenten Frust beiträgt. Neben all des verständlichen Herzschmerzes der vergangenen Monate, ist es vor allen Dingen auch der Blick auf das geschundene Girokonto, welcher mir unmissverständlich zu erkennen gibt, dass ich jetzt alleine in einer fast 100qm großen Wohnung wohne (welche ich von ganzem Herzen liebe und unter gar keinen Umständen verlassen möchte). Der kleine garstige Floh in allen Ehren, aber eigentlich waren sie aktuell nicht drin, die neuen, Heil verheißenden Darts. Leiderprobt stellte ich mich weiterhin meinen mitunter schrecklich beschämenden FTS-Auftritten, ertrug mich selbst mit Würde (gelegentlich) und Tränen (meistens), obschon mir so manches Mal das Versinken im Erdboden die geneigteste Alternative gewesen wäre und staute weiterhin fleißig allerlei, nicht ausschließlich nur dartspezifisches, Unbehagen, wie etwa den ersten Geburtstag meines 34jährigen Leidensweges (mit ausgeprägtem Sinn für Dramatik 😉 ) ohne jedwedes Geschenk oder wenigstens eine Glückwunschkarte (Jaha, eine echte Prinzessin frustriert ein solch skandalöses Verhalten auch noch kurz vor Eintritt der Wechseljahre!) auf. Ich weiß gerade nicht einmal mehr, welcher Tropfen des gefühlten Platzregens aus leidigen Kleinigkeiten, die sich zu einem großen, unerbittlichen Ganzen aufbäumten, das Fass am 10. August zum Überlaufen brachten. Im Endeffekt ist das auch nicht wichtig, alleine die Tatsache zählt, dass es keine andere Rettung vor den Fängen der Misere mehr gab, als die eine, quasi von Gott vorgezeichnete: Frustshoppen – ein bewährtes Allheilmittel seit Frauengedenken.

Es glitzert, es ist sinnlos – Ich MUSS es haben

Und so fand ich nach getaner Arbeit, an besagtem schicksalsträchtigen Tag, meinen Weg zu Ido in Münster, immerhin zu diesem Zeitpunkt noch festen Willens, ich schwöre, nur zu gucken, eventuell auch anzufassen, aber unter gar keinen Umständen zu kaufen. Ich guckte. Und was meine Äuglein erblickten ward ein Traum aus hochglanzpoliertem Metall, von einer atemberaubenden Schönheit, wie sie in dieser Form nur eine dartsüchtige Frau empfinden kann. Ich guckte nicht mehr, ich starrte. Das entging auch dem geschulten Blick des ortsansässigen Fachpersonals nicht, was in der rhetorischen Frage mündete, ob man mir helfen könne. Angemessen professionell, wie ich meine Auftritte grundsätzlich zu absolvieren pflege, gab ich zur Antwort: „Ich suche Darts, deren Schwerpunkt relativ weit vorne liegt. Und in diese hier habe ich mich optisch hochgradigst verliebt. Bitte sag mir, dass deren Schwerpunkt relativ weit vorne liegt!“ Aussagen, für die man sich auch Wochen später noch schämt, herrlich. Doch sei es drum, irgendwie müssen ja erste zarte Bande der Zuneigung geknüpft werden. Glücklicherweise (?) jedenfalls hatte das Objekt meiner leidenschaftlich entflammten Begierde den Schwerpunkt genau dort, wo er laut einschlägiger Ratschläge meinem Wurfstil bestmöglich entgegenkäme. Und so wurden sie mir zu Testzwecken überhändigt: Die Target Carrera C9* in der 23g Variante – ohne den Hauch von Übertreibung die Tungsten-gewordene Ästhetik (und nüchtern betrachtet preislich definitiv ein Statussymbol für all jene, die ein Statussymbol brauchen, verdammt). Da stand ich nun vor dem Shop-eigenen Practiceboard und war wieder einmal Gefangener meiner selbst. Ihr müsst nämlich folgendes Wissen: Mir ist es unwahrscheinlich peinlich, in entsprechenden Läden Darts Probe zu werfen. Schließlich könnte jemand denken: Boah, die hat ja mal so gar nichts drauf. Beflügelt von der in meinen Händen ruhenden Schönheit warf ich, über meinen Schatten springend, dennoch und brachte tatsächlich, zu meinem großen Erstaunen, in fünf Aufnahmen drei Tonnen zustande, fühlte mich mit der von Target patentierten Pixel Grip Technology sofort vollumfänglich wohl. Zum Vergleich wurden mir noch sowohl die leichtere als auch die schwerere Variante des Modelles gereicht. Letztere viel sofort aus der näheren Wahl, 25 Gramm sind für meinen windschnittigen Luschenwurf ohne jeglichen Schmackes dahinter einfach zu schwer und krepieren auf halbem Weg in der Luft. Die Ausführung mit 21 Gramm hingegen war interessant, allerdings variiert Target in diesem Fall nicht nur das Gewicht, sondern auch das Barrel. Obschon die Unterschiede auf den ersten Blick recht marginal wirken, ist das Gefühl beim Werfen ein vollumfänglich anderes, weswegen auch diese Offerte dankend ablehnte. Die Würfel waren gefallen, mein Schicksal besiegelt, mein Konto in naher Zukunft überzogen, denn: Ich MUSSTE diese Darts haben. Nicht irgendwann, nicht von einem Online-Shop, wo ich sie für ein paar Euro weniger bekäme, nein, JETZT sofort.

Target Carrera C9Und so kaufte ich sie, wider die Vernunft, meine neuen Carreras. Meinen Porsche. Meine Rettung? Nun, das werdet Ihr an anderer Stelle noch erfahren. Wichtig für den Moment war jedoch definitiv eines: Ich verließ Ido an diesem Nachmittag mit einem Lächeln im Gesicht, aus welchem Glückseligkeit in ihrer reinsten Form sprach. Mir ging es phantastisch, ich war erfüllt von Freude ohne jedweden negativen Beigeschmack. Ein höchst seltenes Gefühl dieser Tage. Dementsprechend erlaubte ich mir, den Augenblick zu genießen. Denn er würde sich verflüchtigen, dessen war ich mir bewusst. Doch hielt ich ihn fest, solange ich konnte. Hach, das war vielleicht schön, das sag ich Euch. Deswegen bekommt Ihr auch noch ein musikalisches Schmankerl kredenzt, welches beschriebene Empfindung ganz vorzüglich widerspiegelt! In diesem Sinne. Game On!



Ein Kommentar

Kommentar verfassen