Tussi am Board trifft… Helene Fischer

Tussi am Board trifft Helene Fischer

Als im verqueren Labyrinth meiner vielfach verhedderten Synapsen die mutmaßlich vielversprechende Idee zu „Tussi am Board trifft…“ vor nicht gar zu langer Zeit benebelte Gestalt annahm, hatte ich selbstverständlich diverse potenzielle Szenarien vor meinen dunkel umringten Augen (Das Surround der anderen Art für schlafverweigernde Burnout-Anwärter quasi – Liebe Kinder, bitte unter keinen Umständen nachahmen!), welche das ganze Unterfangen dieser kleinen Artikelserie nicht nur für mich, sondern speziell auch für den, hoffentlich geneigten, Leser zu einem unterhaltsamen und vor allem amüsanten Erlebnis erheben könnten:

Da hätten wir zum Beispiel die, zu gleichem Maße unmusikalische wie extremst wahrscheinliche, Eventualität, dass ich mich, Talent- und Form-beseelt, von Fortuna Dartgott liebevoll geküsst, unbeschwert professionell hinauf bis zur thronenden 170 spiele, als wäre es eine meiner leichtesten, bezüglich ihres Schwierigkeitsgrades folglich in etwa auf ähnlicher Höhe wie das unnötige Vergießen von Tränen oder aber das überschwängliche Versprühen verbalen Giftes (auf die charmant liebenswürdige Art und Weise, wie man sie von mir gewohnt zu sein pflegt, versteht sich) anzusiedeln,  Übungen – selbstredend nur aus dem, einzig wahren, Grund, um das höchste mögliche 3-Dart-Finish alsbald – nämlich in der ersten Aufnahme – mit einem zielsicheren Check zu bedenken. Obschon ich jenen erhabenen Moment vollkommener Eudämonie bisher ausschließlich in meinem Kopf genießen durfte (dafür mehrfach und lebhaft bebildert!), bin ich, all meinen akuten spielerischen Defiziten zum Trotze, der festen Überzeugung, dieses, dann Realität gewordene, Ereignis auf kurz oder lang hier mit Euch teilen zu dürfen (zumindest dann, wenn sich die, meinem schwachen Geschlecht geschuldete, statistisch gesehene vergleichsweise niedrige Lebenserwartung, nicht nachhaltig negativ auf dieses bevorstehende Mainevent auswirkt).

Eine weitere, absolut wünschenswerte, mögliche Begleiterscheinung dieser meiner speziellen Trainingsform, welche zwar nicht mein Darter-, dafür jedoch das nicht minder große Musikfetischistinnen-Herz in mir höher schlagen lässt, wäre, dass mir einer von Euch ein gar wunderprächtiges Kleinod überreicht, in das ich mich Hals über Kopf verliebe. Leider sind diese Begegnungen der ganz intensiven Art zwischen mir und einem Song in jüngerer Vergangenheit außerordentlich rar geworden, weswegen sich in der, in diesem Moment nur imaginären, Liste meiner Alltime-Favoriten kaum ein Stück befindet, welches seinen angestammten Platz in jener Aufzählung kompositorischer Großtaten nicht schon mindestens fünf Jahre und länger behauptet. Aber Obacht: Ich wäre durchaus bereit für einen neuen Schwarm – und mein exquisiter Gusto ist extraordinär, jawohl!

Last but not least bedachte ich gerade diejenigen fallspezifischen Gegebenheiten mit besonderer Vorfreude, bei denen sich mir die unwiderstehliche Gelegenheit böte, über meine Trainingsfortschritte mit freundlicher, musikalischer Unterstützung von absolut hirnverbranntem Bullshit zu sinnieren. Ich ward mir von Anfang an sicher: Eine (wenn nicht sogar derer viele, muss ich doch leider, vollumfänglich bescheiden natürlich, davon ausgehen, dass nur die wenigsten Exemplare der Gattung gemeiner Homo Sapiens Sapiens in Bezug auf systematischen Krach derart mit Weisheit beschenkt wurden wie meine Wenigkeit – und ja verdammt, ein Müh dieser fast schon widerlichen Selbstsicherheit sollte ich lieber Mal auf mein durch und durch auf wackligen Beinen stehendes Dartspiel projizieren) solche Übungseinheit würde früher oder später definitiv auf dem Plan stehen. Wer okkasionell ebenfalls sein Heil als Autor kritischer Texte sucht, wird wissen, dass es einen mitunter mit sehr viel mehr hämischer Freude erfüllt, etwas unverblümt hässliches mit diversen, bitterbösen Synonymen für Exkremente zu bedenken, als etwas durch und durch Schönes mit zuckersüßen Schmeicheleien zu umschwärmen (Obgleich ich insistieren muss, dass ich durchaus auch eine sehr sentimentale Ader mein eigen nenne, welche außerordentlich gerne Komplimente ausspricht, so sie denn verdient und angebracht sind – Ehre, wem Ehre gebührt!) – seien es Bücher, Filme oder eben, wie in diesem Falle, musikalische Ausgeburten, die es zu rezensieren gilt.

Wie dem auch sei, halten wir schlicht und einfach fest, dass ich, in meiner höchst offiziellen Funktion als vielfach geschultes Lästerbalg mit durchaus ansehnlichem Wortschatz, nur allzu gerne auch mal die Chance ergreife, meinen Unmut in königliches Sprachgewand zu kleiden, so sie sich mir denn bietet. Dass ich allerdings bereits beim ersten Artikel dieser Serie dem personifizierten Bösen würde gegenübertreten müssen, das wiederum hätte selbst ich nicht für möglich gehalten – eine Andeutung von Vorspiel, bevor es so richtig zur Sache geht, ist nichts, wozu ich im Regelfall mein lautstarkes Veto einlege. Dementsprechend unbedarft war ich auf ein paar laue intonierte Lüftchen eingestellt, die niemandem, und vor allem mir nicht, weh tun und meinen Fokus in keinster Weise vom eigentlichen Kern des Pudels ablenken würden, nämlich dem Darttraining. Doch mein Premieren-Musikpate hatte da ganz andere Pläne mit mir…

Niemand hatte ihn unter Verdacht: Das dunkle Geheimnis des Maik K. (23) aus M.

Mugshot Omni

Da der eigentliche Übeltäter im Rahmen der Möglichkeiten anonym bleiben möchte, musste ich in künstlerischer Hinsicht leider herhalten.

Mighty Maik und ich haben in der Kürze meines ersten Dartjahres schon einiges gemeinsam erlebt. Beispielsweise wurde dem jungen Mann die vollends unzweifelhafte Ehre zuteil, als mein damaliger Gegner, direkt an der Front quasi, Zeuge meines allerersten Highfinishes nebst Shortlegs zu werden – ein Tag, den zumindest ich niemals vergessen werde! Wie oft schon hat Maiki mich beruhigen müssen, wenn ich meine Leistung am Board als derart unterirdisch empfand, dass für mich die einzig adäquate Reaktion akutes Hyperventilieren zu sein schien. Und auch dem Tod sind wir gar schon mehrfach haarscharf von der Schippe gesprungen: So wären wir an der Nordseeküste beim tollkühnen Versuch, in der prallen Mittagssommersonne einen regelkonformen Fußweg zum Meer zu finden, beinahe gleichzeitig verhungert und verdurstet, während wir nach einem Konzert der Böhsen Onkelz beim anschließenden, gefühlt stundenlangen, Ausfahrtsstau in einem Hannoveraner Parkhaus fast aus Langeweile den Löffel abgegeben hätten.

Besonders das gemeinsame musikalische Ereignis erscheint im Hinblick auf die jüngsten, diesen Artikel entscheidend prägenden, Entwicklungen außerordentlich bemerkenswert wie tragisch. Nun ist es in der heutigen Zeit tatsächlich nicht selten so, dass im kriminalistischen Rahmen der Suche nach einem Schuldigen für ein Verbrechen die Grenzen zwischen Tätern und Opfern leider nicht klar definiert sind, und sich die eigentlich Leidtragenden – so sollte man meinen – nicht zuletzt aufgrund gesellschaftlicher Zwänge, genötigt sehen, zumindest eine Teilverantwortung bei sich selbst suchen. Und so frage auch ich, als Geschädigte und somit potentiell für das Stockholm-Syndrom Anfällige, mich, liebe Leser, ob ich im Vorfeld der, durch den Münsteraner Missetäter eingeleiteten Misere, nicht eine realistische Chance hatte, das Grauen, welches mir und meiner inzwischen nachhaltig geschundenen Seele, zuteilwerden sollte, zu verhindern!? Immerhin, und das gebe ich vollends schamlos zu, hat mich Mighty Maik, bevor er die finale, melodiöse Waffe zog, vor eine speziöse Offerte gestellt: „Willst du Rammstein oder Helene?“ Bei dieser Farce handelt es sich definitiv um eine jener verzweifelten Situationen, im Zuge derer einer meiner geschätzten Freunde nimmermüd die fadenscheinige Wahl zwischen Scheiße und Kot zitiert. Allerdings gebe ich ihm im vorliegenden Worst-Case-Szenario nur bedingt Recht, denn: Alles von und mit Till Lindemann (Auch Sophia Thomalla, um nicht zu sagen ganz besonders Sophia Thomalla!!!) ist für mich keine Option, sondern bloß ein bemitleidenswerter Zustand quälender, lauthals rumorender Leere – Bauchkrämpfe aufgrund ganz viel heißer Luft (Die Form von akuten Blähungen, die einem vorgaukelt, man befände sich, dem Geruch nach, innerlich mitten im Verwesungsprozess. Alles andere also, als ein rosaroter Einhorn-Pups!), um sprachlich wenigstens latent im exkrementorischen Milieu zu bleiben.

Tussi am Board und Helene Fischer beim FarbenspielUm das Absurdum, welches sich meine Psyche schimpft, zumindest ein kleines bisschen verstehen zu können, muss man wissen, dass ich in Bezug auf die leidenschaftliche Ausübung tief empfundener Aversionen, eine gänzlich indisputable Prinzipientreue an den Tag lege – und im Falle von Rammstein verhält es sich in etwa so wie mit dem FC Bayern München: Wenn es der Spielplan erfordert, wird die Laerer Oberzecke (Nein, das „e“ hätte kein „i“ werden sollen!) für, zugegeben durchaus qualvolle, 90 Minuten (plus eventueller Verlängerung und etwaigem Elfmeterschießen) sogar zum Schalke-Sympathisanten. Und so ward mein Schicksal konsequent besiegelt: Meine erste „Tussi am Board“-Trainingseinheit würde untermalt von Helene Fischer und ihrem dauerbrennenden Charterfolg „Farbenspiel“. Man möchte schon irgendwie vomieren… „Atemlos, Übelkeit, Panik macht sich langsam breit. Atemnot, Brechdurchfall, Schweißausbrüche…“ *sing* Und plötzlich kann man selbst Karolin Kebekus, welche sich für diese, sehr viel trefflichere, Neuinterpretation des Originaltextes verantwortlich zeigt, und deren allzu plakativ zur Schau gestellte Ghetto-Attitüde für gewöhnlich nicht mal peripher meine Humorzentrale (Wenigstens eine Minderheit munkelt, ein solcher Bereich sei auch in meinem Gehirn existent), tangiert, etwas Positives abgewinnen – Helene macht’s möglich. Tja, keiner ist fehlerfrei…

Sado-Maso-Party in Vollendung

Apropos plakativ: Der ostentative Gebrauch von, ebenso provokanten wie sinnentleerten, inhaltsfernen Phrasen und Schlagzeilen, ist bekanntermaßen ein absolut probates Mittel, um den sensationshungrigen Leser bei der Stange zu halten (Danke für Eure Aufmerksamkeit. Das macht dann 80 Cent, bitte. Täglich.) oder, in unserem aktuellen Fall hier, tendenziell der Versuch Euch aufzuwecken, da ihr bereits beim allzu ausufernden Vorspiel eingenickt seid. Ich persönlich fühle mich bei dieser meiner so pfiffigen Zwischenüberschrift an das gute alte StudiVz und den damaligen Trend des Gruppen-Sammelns erinnert, im speziellen an ein besonders schelmisches Exemplar: „Um nicht prüde zu wirken: Meine Gruppe mit ‚Sex‘ im Namen.“ Amen.

However, ich bin ein Masochist (Hingegen offensichtlich nicht im Geringsten eine Emanze, muss ich doch ganz am Rande Notiz davon nehmen, dass mir die Gleichberechtigung und Wertschätzung verheißende Wortendung „in“ zur zwangsweise Verweiblichung eines jeden noch so geistesabwesenden Zustandes vollumfänglich schnuppe ist, so es nicht ausgerechnet um meinen Status Quo als Prinzessin geht). Ich quälte mich seit einigen Wochen nicht nur, aller Müdigkeit, Prokrastination und Faulheit zum Trotze, sehr regelmäßig ans Practise-Board, sondern lauschte dabei unermüdlich der zum Pop-Schlager mutierten Zombie-Apokalypse. Nicht nur die ursprünglich angedachten sieben Tage, welche für sich genommen bereits zweifelsfrei genügend Elend für zwei Leben mit sich gebracht hätten – nein. Ich hatte mir geschworen, dass meine rastlose Seele nicht eher Ruhe und Erlösung finden dürfe, bis die letzten Lettern dieses Artikels einen würdigen Schlusspunkt setzten – selbst, wenn dies in finaler Instanz bedeuten würde, dass ich das kunterbunte Farbenspiel, das romantische Rendevouz und die Sinne umnebelnde Manifest von Einfalt und frustrierter Libido, demnächst in voller Pracht würde rückwärts mitrülpsen können. Ja, das nenne ich mal die Generierung von Schreibmotivation auf die ganz harte Tour.

Glücklicherweise ist mein Hang, mich vollkommenen klaren Geistes, ganz bewusst selbst gewählten Qualen auszusetzen, nicht der einzige Trumpf, den meine Setcard zur Wahl von Germany’s Next Top-Psychopath (Meiner, auf diversen amerikanischen Krimiserien beruhenden,  Expertise nach, würde ich mich eher dem Lager der Soziopathen zuordnen, doch verlangt das nach Tragödien geifernde Publikum nach dem vermeintlich gefährlicheren Stereotypen 😉 ), für die werte Jury bereit hält. So bin ich beispielsweise auch ein penibel nach Perfektion strebender Pedant (Man verzeihe mir die Redundanz zugunsten einer Alliteration ♥). Ich habe mehr als zwei Dutzend (!) Käsegazetten a la „Neue Post“ und „Freizeit Revue“ durchstöbert, den hirnrissigsten Dünnpfiff über Florian Silbereisen, Andrea Berg, Daniela Katzenberger und wie sie nicht alle heißen, die Influencer und Vorbilder einer erschreckend breiten Masse unserer Gesellschaft, über mich ergehen lassen müssen, nur um eine geeignete Fotografie des fischer’schen Konterfeis zu finden, welche man für das Titelbild dieses Beitrages möglichst effektvoll ans Dartboard drapieren konnte (Selbstverfreilich habe ich die Darts hochprofessionell in den illustren Fetzen geworfen und nicht etwa, in Ermangelung der nötigen Fingerfertigkeit, einfach ins Sisal gesteckt, hust!). Nicht minder akribisch wie die Seiten all dieser, zum Fremdschämen animierenden, Revolverblätter, drehe ich jedes einzelne Wort, mitunter mehrfach, um, bevor es seinen Weg aus meiner digitalen Feder auf dieses virtuelle Papier hier findet. Was uns ohne Umschweife zum dritten Aspekt der ach so reißerischen Headline dieses Absatzes führt:

Ich bin ein Sadist. Ich habe nicht nur ungeheuren Spaß am, vom Umfang her absolut ausufernden (Ja, ich weiß das!),  Schreiben, sondern vielmehr versetzt es mich in einen Zustand hemmungsloser Befriedigung, das scheußliche Leid und die gnadenlose Folter, welche Frau Jelena Petrowna F. mir über einen gar unmenschlich langen Zeitraum zukommen ließ, bis ins kleinste Detail zu zelebrieren und Euch mit diesem meinem, offensichtlich nie enden wollenden, Wortschwall zu quälen (Aber: Keine Sorge, ich habe tatsächlich nicht vor, jede Trainingseinheit derart ausführlich einzuleiten. Helene war und ist einfach nur eine äußerst dankbare Vorlage, da müssen wir uns nichts vormachen!). Tja, so kann das Leben sein! UND JETZT WIRD DART GESPIELT!

16 Shades of Bullshit – Vom schmerzhaften ersten Mal

Zumindest startete ich den Versuch, eben dies zu tun. Dazu drehte ich, noch bevor Helene Gelegenheit hatte, auch nur einen einzigen Ton von sich zu geben, den Lautstärkeregler der Surroundanlage präventiv auf Schlafzimmerlautstärke – schließlich habe ich in der Nachbarschaft den Ruf als Konsumentin lautstarken, chaotischen Kraches (Danke Omi, präziser kann man das gesamte Metal-Genre in all seinen Facetten keinesfalls subsummieren!) zu verlieren. Kind, was sollen denn bloß die Leute denken, wenn anstelle des zarten Stimmchens von Eisregens Blutkehle* und dessen so poetischen Versen wie etwa „Gestern zwang mich der Hunger, von den Toten zu essen, der Geschmack war zwar bitter, aber sonst O.K. Die Augen des Leichnams blickten mich dabei an, dann fraß ich auch sie, und ihre Anklage verschwand.“ plötzlich das blonde Gift säuselt, dass Lust auf ihrer Haut pulsiert? Undenkbar! Dann gab es kein Zurück mehr, keine Ausflüchte, kein Entrinnen, keine Gnade. Es ging leise, aber dennoch unüberhörbar für mich, los…

Hinweis: Bei der mir anvertrauten Compact Disc befinden sich die Songs NICHT  in der originalen Reihenfolge auf dem Tonträger (wie ich auch erst nachträglich feststellte). Die korrekte Tracklist, nebst einschlägiger Hörbeispiele, kann beispielsweise hier* eingesehen werden. Wer übrigens, wie ich, Amazon-Prime-Kunde* und ein wenig lebensmüde ist, kann die Songs an besagter Stelle sogar komplett streamen. Ein Träumchen!

Als Trainingseinstieg eignet sich „Der Augenblick*“, gemessen an dem, was noch kommen würde, und im Rahmen der sehr begrenzten Möglichkeiten relativ gut. Ruhig, ohne überschwängliche gute Laune oder unpassende Polka-Passagen, ist es hier einzig die typische, triefende Theatralik und  allgemein die spezifische Form der Artikulation der vortragenden Stimme, die mich zwar bereits nach zehn Sekunden unwahrscheinlich nervt (Ich nenne das liebevoll den Doro-Pesch-Effekt), immerhin jedoch noch nicht dazu führt, das mir sämtliche Gesichtszüge entgleiten oder einige Hirnzellen vor lauter Scham, mir nichts, dir nichts, verkümmern – gelebter Optimismus einer hoffnungslosen Pessimistin… Noch kann ich mich in Gänze auf meine desaströsen Darts konzentrieren.

Bereits der zweite Titel sorgt dann jedoch dafür, dass tief in mir etwas einfach so ohne Vorwarnung stirbt. Doch nicht etwa, erwartungsgemäß, weil das Gehörte an Abscheulichkeit nicht zu übertreffen wäre. Ach, wie sehr wünschte ich, es wäre so gewesen… Aber nein. Im Vorfeld hatte ich das allseits bekannte „Atemlos“ bereits als mein „Lieblingslied“ auserkoren – ein schneller Skip-Durchlauf im Auto nach CD-Übergabe hatte nämlich damals ergeben, dass jener nervtötende Dauerbrenner die letzten Töne der Scheibe symbolisiert und somit bei jeder Übungssession die herbeigesehnte Erlösung brächte. Doch Helene hatte andere Pläne mit mir und trifft mit „Te Quiero*“ das zerbrechliche Herz der Einhornprinzessin zielsicher im Romantik-Doppel. Denn das, was Liebe wirklich heißt, es gibt kein Wort dafür – Te quiero! Ein Kuss ist in allen Sprachen gleich, auf diese Art sag ich Dir: Te quiero, te quiero, te quiero… Nee, wat schön. Scheße verdammt, ich mag diesen Song. Sportlich gesehen hilft mir das allerdings definitiv nicht weiter, denn in meinem Kopfkino beginnt gerade eine Sondervorstellung, exklusiv für mich. Bedauerlicherweise keine Happy-End-Geschichte über einen vielversprechenden Urlaubsflirt mit Typ X, wie der Teufel sie erzählt. Nein, ich bin Zuschauer und Protagonist in Persona einer, vom Niveau her selbstredend öffentlich-rechtlichen, Dokumentation über verschmähte Gefühle, missbrauchtes Vertrauen, Einsamkeit und unerfüllte Hoffnungen. Jetzt bin ich traurig – meine Pfeile offensichtlich auch. Ein Teufelskreis.

Track Nummer drei beendet die private Filmvorführung abrupt und erste, von einem hohen Maß an Missfallen kündende, Muskelzuckungen in meinem Gesicht setzen ein. „Captain meiner Seele*“ ist genauso hohl, wie der lächerliche Titel verheißt. Diesmal geht es um Typ Y, der Helenes Schiff voll im Griff hat und sich als Steuermann verdient macht. Yeah. Ich muss ob der recht überschaubaren Komplexität dieser Parabel fast zwanghaft den Kopf schütteln, bin sogar derart schockiert, dass ich vor lauter Schreck die 121 in einer ersten Aufnahme überwerfe. Kruzifix, eventuell müsste meinen Darts auch mal ein lieblicher Leichtmatrose den rechten Weg über wildes Wasser weisen. Ich glaube, ich werde seekrank.

Das nun folgende „In diesen Nächten*“ ist eine derart austauschbare und glanzlose Ballade, dass sie vollumfänglich in den Nachwehen der vorangegangenen Traumschiff-Episode untergeht, obschon das vom unruhigen Wellengang ausgelöste Tourette-Syndrom meinerseits immerhin langsam abebbt. Gecheckt habe ich nach diesem ersten Viertel (S.O.S., ich brauche dringend eine Pause!) noch genau gar nichts, verpasse der geheiligten Startpunktzahl jedoch bereits den zweiten Overkill mit den ersten drei Würfen. Ich frage mich, ob man das in der finalen Bilanz irgendwie positiv verkaufen kann – immerhin mehr als ein Mal Ton+ geworfen oder so ähnlich. *hust*

Unter Aufwendung allen mir zur Verfügung stehenden Wohlwollens gegenüber den Texten zeitgenössischer Schlagerkunst vermag ich „Auf der Suche nach mir*“ einen latenten Gesellschafts- und Showbiz-kritischen Aspekt zuzusprechen. Jelena beklagt den Jahrmarkt der Eitelkeiten, welcher um sie herum die Sicht auf den eigentlichen, ungeschminkten Menschen mit Schwächen, Fehlern und Gefühlen vernebelt. Meine aufrichtige Anteilnahme hält sich in höchst überschaubaren Grenzen, flennen muss ich dennoch, da sich bei gleich zitierter Passage eine geschmeidige Woge von Selbstmitleid über mich ergießt: „Auf der Suche nach mir, nach mir selbst, bin ich weit gegangen. Hab‘ auf Scherben getanzt, ohne Zweifel und Angst im Licht. Auf der Suche nach mir, tausendmal, auf der Seele ein paar Schrammen […].“ Konzentration auf den praktizierten Hochleistungssport ist etwas anderes. Sentimentale Lusche…

Gott sei Dank folgt mit dem typischen Tanzkaffeeburner „Feuerwerk*“ eine Gute-Laune-Nummer – Am Arsch. Kennt Ihr das, wenn Euch gewisse tonale Harmonien (oder meinetwegen auch ein beliebiger anderer Trigger) von der einen auf die andere Sekunde von Dr. Jekyll in Mr. Hyde verwandeln?  Achtung, es folgt eine wichtige Durchsage: Die kleine Miri möchte dringend etwas kaputt schlagen, die kleine Miri, bitte! Die Situation ist grotesk. Während ich verzweifelt nach einem adäquaten Ziel für meine zügellosen Aggressionen suche, läuft vor meinem geistigen Auge ein lächerlicher Clip: Helene, wild im Stile des Ententanzes schunkelnd, hält ein überdimensionertes, aufblasbares Mikro in Händen, welches verdächtig an ein Eiscremehörnchen erinnert, während sie, in bester Mr. Snoot-Marnier, wie die Puppe eines Bauchredners (obwohl, eher das gruselige Ding aus „SAW“), mehr oder minder synchron zur Musik den Mund auf und zu macht und mit dem Kopf wackelt, grenzdebil grinsend, um das Gesamtbild abzurunden. Im wutgetriebenen Fieberwahn checke ich irgendwas über D11 und erreiche zum ersten Mal an diesem Abend 122. Ein Trauerspiel, welches nur noch durch die Tatsache zu übertreffen ist, dass beschriebene Switch-ähnliche Pseudo-Persiflage mich von nun an IMMER heimsucht, sobald die Fischer ihr Feuerwerk zündet.

Entsprechend verbunden bin ich für „Ehrlich und klar*“, seines Zeichens eine weitere Nummer der Kategorie Liebeslieder, die einem, trotz einiger rührseliger Worte, in denen man sich selbst durchaus wiedererkennt, so warm ums steinerne Herz machen, wie ein in der Antarktis entflammtes Streichholz. Um dem Bildungsbürgertum Tribut zu zollen, zitiere ich an dieser Stelle einfach mal Homer: „Laaaaaaangweilig!“ Hach, ich bin so k-l-u-k. Und ich frage mich, ob die hier verwandten, schwer an das allmächtige Titanic-Thema erinnernden, Flötentöne ein Hinweis darauf sein sollen, dass Frau Fischer denkt, sie wäre die deutsche Celine Dion. Schnell verwerfe ich diesen unerhörten Gedanken wieder, so viel Größenwahn traue ich nicht mal meiner Peinigerin zu. Das Dartspiel nebenbei läuft übrigens so medium gut. 😉

Wunder dich nicht*“ soll dann wohl zum wiederholten Male sehnsuchtsvolle Urlaubsstimmung in die heimischen Wohnzimmer transportieren – diesmal geht es gedanklich unüberhörbar nach Griechenland, wo uns mittels Holzhammerpoesie die jüngsten Irrungen und Wirrungen einer jungen Dame kredenzt werden, die ausnahmsweise mal nicht unsere allseits beliebte Protagonistin höchst selbst ist. Das ist immerhin ein positiver Aspekt. Das und… tja, sonst eigentlich nichts. Das, wonach ich mich an dieser Stelle wirklich leidenschaftlich verzehre, ist kein Auslandsaufenthalt mit anschließender Scheinehe und/oder der Teilnahme bei „Auf und davon“, sondern alles, was ich mit jeder einzelnen Pore meines Körpers zu diesem Zeitpunkt begehre, ist eine Pause mit begleitendem Schnapskonsum. γειά μας!

Leider erweist sich Frau Fischer bei der Wahl von musikalischen Stilmitteln, bei denen sich mir die Fußnägel hochklappen, sehr viel zielsicherer als ich in Sachen Dart-Training. Während ich versehentlich kurz an der 124 schnuppere, nur um postwendend wieder ziemlich unsanft zu Hause zu landen, watet Madame für „Alice im Wunderland*“ mit Blechbläsern auf, die ihr Glück an einer ganz miesen Tom-Jones-Rhythmus-Imitation versuchen und vergleichbar kläglich scheitern, wie ich beim Checken jeder beliebigen Zahl zwischen 1 und 20. Rettung bringt in diesem Fall jedoch der Songtitel, hat meine seit Jahrzehnten unangefochtene Singer-Songwriter-Göttin Jewel Kilcher* doch ein Stück ähnlichen Wortlautes veröffentlicht: Für ein paar selige Minuten höre ich nun in Gedanken Musik, die diesen Namen mit all seinen klangvollen und bunten Facetten auch verdient. Und das solltet Ihr auch mal tun, so ihr jene kongeniale Komponistin und Stimme bis dato noch nicht kanntet: ♥Goodbye Alice in Wonderland♥

Viel zu schnell und vollumfänglich schonungslos, werde ich aus meinen Gedanken und dem Wunderland – eine Welt ohne Helene Fischer versteht sich – gerissen. Statt des verrückten Hutmachers steht abermals Jelena Petrowna F. vor mir, und, oh Graus, sie schwingt schon wieder das riesengroße Waffelhörnchen. Ich weiß bereits jetzt, dass mich dieses Bild des Schreckens in meinen nächtlichen Träumen verfolgen wird. Bei „Mit keinem Andern*“ geht es weder um Typ X noch um Typ Y, nein, mit Typ Z und niemandem sonst, möchte sie ganz ungewöhnliche Dinge tun, beispielsweise, und das denke ich mir leider nicht aus, sondern zitiere schlicht das dargebotene Häufchen Elend: „In zeriss’nen Jeans um die Häuser zieh’n“. Verrückt. Joa mei, ob der Flori (selbstredend in meinem Kopfkino ähnlich aufblasbar bewaffnet wie seine bessere Hälfte) etwas derart geisteskrankes wirklich tun würde? Oder sind die besungenen Männer A-Z gar allesamt nicht des Teufels, keinesfalls minder blonder, Advokat? Nix Gwiss woass ma ned. So oder so tun sich mir diverse Abgründe auf.

In einen davon möchte ich allerspätestens genau jetzt springen. Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr. Meine Nerven liegen blank und die musikalische Darbietung bereitet mir inzwischen sogar, und das ist nun wirklich keinerlei Übertreibung, körperliches Unbehagen. Warum ist dieses verdammte „Farbenspiel“ nur so schrecklich lang? 16 Titel – dafür hätten Cannibal Corpse nicht mal eine halbe Stunde meiner kostbaren Zeit in Anspruch genommen. Und überhaupt. Zwei, maximal drei Songs hätten es auch getan, jawohl. Es ist zum Haare raufen. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, schimpft sich „Marathon*“ und übertrifft selbst meine Sado-Maso-Party an stupider Plakativität. Verrucht verführerisch berichtet uns Helene dabei von einer nie endenden Begierde, welche so manch einem in die Tage gekommenen Angel-Fan die Schamesröte auf die Wangen treiben dürfte. Am Ende heißt es dann jedoch: „Hihi, voll verarscht, ich habe die ganze Zeit ein total doofes Lied über Schokolade gesungen. Ist das nicht witzig?“ Nein, Mann. Ist es nicht.

Langsam aber sicher mache ich mir ernsthafte Sorgen, dass eventuell meine Augäpfel, bedingt durch übermäßiges Verdrehen über einen andauernden Zeitraum von deutlich mehr als einer halben Stunde hinweg, einfach so aus ihren Höhlen plumpsen. Ein die Liebe und das Leben bejahendes, die Zusammengehörigkeit zweier Menschen zelebrierendes Manifest der Freude, was „Unser Tag*“, trotz seiner intellektuellen Überschaubarkeit, definitiv sein möchte, wäre in Hinblick auf mein zurückliegendes Gefühlsjahr grundsätzlich schon nicht mein bevorzugtes Genre. Verbunden mit der immer akuter werdenden Panik, Opfer ernsthafter Folgeschäden (Könnte die Sache mit den Augen bitte mal jemand für mich recherchieren?) zu werden allerdings, erreicht die Folter zu fortgeschrittener Uhrzeit nun ihren Höhepunkt. Schicksalsergeben werfe ich wie ferngesteuert (Meine Fresse, muss das ’ne Flachpfeife sein, die da den Controller in Händen hält…) meine Pfeile ans Sisal, jedweder Motivation, oder wenigstens Konzentration, entbehrend. Das wird heute nichts mehr mit Trainingserfolgen, gleich welcher Art. Das erklärte Ziel des Abends heißt ausschließlich Überleben – und selbst das würde noch schwer genug werden.

Der Titel „Ein kleines Glück*“ verheißt nichts Gutes, haut er doch mutmaßlich in die gleiche Kerbe wie sein Vorgänger. Und ganz so falsch ist das inhaltlich betrachtet tatsächlich nicht. Aber diesmal handelt es sich wieder um eine lupenreine Schlagerballade und glaubt mir, es gibt nichts, was mich zwischenzeitlich dermaßen kalt lässt wie ein solch laues, gefühlsduseliges Lüftchen. Auf eine so hemmungslos theatralische Melodie kann der Beelzebub säuseln, was er will, er bekommt mich nicht. Statt Homer gibt es an dieser Stelle die geballte Weisheit des Kazim Akboga*: „Isse Lied scheise, is mir egal!“ Offensichtlich weicht die Angst zusehends einer schleichenden Form von Wahnsinn.

Die Tatsache, dass kein Mensch „Fehlerfrei*“ ist, entschuldigt meiner Ansicht nach nicht für das Verbrechen, welchem ich gerade zum Opfer falle. Allerdings muss ich in diesem Moment erfreulicherweise feststellen, dass das Grauen nur halb so furchteinflößend ist, wenn man ihm nicht gänzlich unvorbereitet entgegentritt. Ja, ich kenne diese erste Singleauskopplung des Albums und summe das Paradebeispiel eines 0815-Schlagers wie ein genervtes, hyperaktives Kindergartenblag einfach wild gestikulierend mit – Angeblich soll diese Strategie ja helfen, damit das Unheil gefühlt schneller an einem vorüberzieht. Nun, bei „Last Christmas“ hat das irgendwie auch nie so richtig zum Erfolg geführt. Aber die Hoffnung stirbt ja, wie wir alle wissen, zuletzt (und mutmaßlich noch bevor die letzten Töne von „Last Christmas“ verklungen sind…).

Ich nehme am Rande des Kriegsschauspiels Notiz davon, dass meine Muskeln beginnen, sich langsam aber stet zu entspannen. Wie schnell sich doch eine gewisse Schmerzresistenz einstellt. Der Mensch ist faszinierend robust. Und tatsächlich macht sich dieser Umstand auch am Dartboard bemerkbar. 126! Unter Berücksichtigung der gegebenen Umstände ist jener Score fast mittelmäßig enthusiastischen Beifall wert (Ja, ich weiß, kein Applaus für Scheiße. Deswegen fügte ich ja das Wort „fast“ hinzu.). „So kann das Leben sein*“ ist allerdings auch ein wirklich mildernder Umstand. Die Rückkehr der Flöte des Grauens ist ihrerseits die vierte (Oder gar fünfte? Man verliert ja so schnell das Gefühl für Zeit und Raum, wenn man sich köstlich amüsiert.) langsame Nummer für nichts anderes als die Tränendrüse und beißt entsprechend hart bei mir auf Granit. Willkommen im Kurs „Okklumentik für Fortgeschrittene“ – Keine Macht der Gehirnwäsche!

Es bedarf genau eines Taktes, bevor mein Herz vor Freude beginnt Marathon zu laufen (Jaha, man muss ab und an den Mut aufbringen, so richtig harte literarische Kost zu zitieren!)“. Endlich empfange ich diejenige göttliche Charis, an deren Existenz ich in den vergangen 60 (In Worten: Sechzig!!!) Minuten drohte, den Glauben zu verlieren: Was meine Ohren gerade erreicht, ist nichts anderes als der geheiligte Gral am Schlagerhimmel, die Sternstunde der Pop-Musik und der Höhepunkt einer jeden feuchtfröhlichen Geburtstagsparty. Es ist Atemlos durch die Nacht*“ – die finale Erlösung von dem Bösen, der Grund für postkoitale Haare frei nach E. L. James. Und nein, meine Euphorie hat rein gar nichts damit zu tun, dass bewegtes Bildmaterial von einer Karaoke-Darbietung meinerseits zu diesem Song existiert. Zugegeben, dieser indiskutable Superhit ist auf seine Weise ein fear-fascinating paradoxon, welches einen trotz, oder gerade wegen, tief verwurzelter Antipathie, in seinen Bann zu ziehen vermag. Dennoch ist der Zustand von Glückseligkeit, der sich schlagartig einzustellen weiß, vollends dem wunderbaren Faktum geschuldet, dass das Martyrium in wenigen Augenblicken vorbei ist. Das wiederum motiviert mich derart, dass ich mich noch ein kleines Weilchen um und knapp unter 126 halten kann, und meine Darts erst zur Seite lege, als ich schließlich, inzwischen ohne musikalische Begleitung, zum letzten Mal an diesem skurrilen Abend zu Hause ankomme.

Jetzt nichts wie raus aus den Hacken, tief durchatmen und das erlebte Desaster bestmöglich verarbeiten, den angestauten Gefühlen freien Lauf lassen. Das geht am besten mit Musik, also mit richtiger Musik meine ich (Und ja, Geschmack ist ein sehr subjektiver Tatbestand.).

 

Hach, gleich vieeeeeeeeel besser. Hurra, ich lebe noch!

Wunderwerk Mensch: Man gewöhnt sich an alles – selbst Helene Fischer

Angst essen Seele auf. Häufig im Leben bleiben wir wie angewurzelt stehen, unfähig, einen nächsten, den entscheidenden, Schritt zu machen, weil wir dessen Folgen fürchten. In solchen Momenten vergessen wir allzu gerne all jene Situationen in unserem persönlichen Erfahrungsschatz, in welchen wir mutig waren, einen Fuß vor den anderen setzten – zögernd vielleicht, aber wir taten es – und am Ende mit einem erleichternden „Hach, war doch gar nicht mal so schlimm“ (Im speziellen Fall von Sprüngen vom Drei-Meter-Brett soll bei kleinen, pummeligen Mädchen angeblich auch die Inaussichtstellung von neuen Barbie-Puppen hilfreich sein, zumindest war das in den 80er Jahren so, hab‘ ich gehört) belohnt wurden. Dennoch ist es manchmal alles andere als leicht, sich zu überwinden, wenn man davon ausgeht, dass man sich kopfüber ins Unglück stürzt. Ich gebe zu, dass ich einige Tage benötigt habe, um Helene ein weiteres Mal die Stirn zu bieten. Selbstverständlich war ich in der Zwischenzeit nicht untätig und habe brav meine Practise-Einheiten absolviert. Allerdings mit freundlicher Unterstützung der „No Name Face“ von Lifehouse*, die sich zufällig noch im Player befand, da Prinzessin Lillifee sich grundsätzlich weigerte, sich zu Trainingszwecken in meinen heimischen Hallen aufzuhalten, solange die Fischer ein Stelldichein zum Besten gab.

Irgendwann packten mich dann aber doch der Ehrgeiz und auch ein gewisses Maß an Selbstdisziplin – schließlich hatte ich mir die Suppe selbst eingebrockt. Also musste ich sie konsequenterweise auch auslöffeln. Basta. Schicksalsergeben drückte ich ein ums andere Mal auf den Play-Button. Zu behaupten, dass der Schmerz im Laufe der Zeit nachließ, wäre nicht richtig. Vielmehr entwickelte ich ganz langsam die Fähigkeit, meine Konzentration auf das Wesentliche – meine Darts und ihren Weg ans Board – zu verlagern, statt Helene mehr Aufmerksamkeit zu widmen, als sie verdiente und es mir gut tat. In der Medizin spricht man in solchen Fällen tatsächlich von Toleranzentwicklung: Die Wirkung einer Substanz, in unserem Szenario hier definitiv ein gefährlicher, wenn nicht sogar lebensbedrohlicher, Giftstoff, auf den Organismus nimmt irgendwann ab, wenn man ihn über einen längeren Zeitraum stetig zuführt. Entsprechend weigert sich mein Körper inzwischen, dank einer mehrere Jahre andauernden Episode chronischer, zunächst nicht therapierbarer, Schmerzen, nicht nur, den peinlindernden Effekt von Ibuprofen in vertretbaren Dosen anzuerkennen, sondern hat auch gegen den stumpfen, fischer’schen Discofox-Frohsinn eine Art gnädiger Immunität entwickelt – zumindest latent. Da es um meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit auf die Darts während eines Spieles grundsätzlich nicht allzu – Sieh doch nur, ein Schmetterling, wie entzückend – gut bestellt ist, erweist es sich als wenig verwunderlich, dass ich es, auch nach mehreren Wochen, nicht vollends geschafft habe, das Farbenspiel des Grauens in den Hintergrund zu verdrängen. Besonders erwiesen sich all jene Songs, welche bereits beim ersten Hören spontane Assoziationen hervorgerufen hatten, auch nachhaltig als absolut kontraproduktiv in Sachen Trainingserfolg. So bahnte sich etwa das Waffelhörnchen of Death, ebenso wie der laszive Marathonlauf für eine Tafel Schokolade, immer wieder einen Weg in den Vordergrund meiner Gedanken und niemals, nie nicht und nimmernie, würde ich aufhören ob einiger gar zu dümmlicher Textpassagen leidenschaftlich die Augen zu verdrehen – und mich vor lauter Schreck zu überwerfen. Naja, wenigstens ’ne Ton+ geworfen, oder wie war das? 😛

Der Teufels singt Schlager: 7×7 Tage mit Helene Fischers Farbenspiel – Eine Bilanz

Was ich längst vermutete, hat sich dank dieses schmerzhaften Selbstversuches bestätigt: Musik hat einen Einfluss auf mein Dartspiel. Dabei lässt sich nicht per se statuieren, dass Lieder, die mir gefallen mich zu Bestleistungen antreiben, wohingegen melodiöse Rohrkrepierer meine Pfeile ins Surround (Danke Micha, es macht meine Dartecke nahezu perfekt!) lenken. Nein, wenn mich die unmenschlich lange Zeit mit Songs wie „Captain meiner Seele“ eines gelehrt hat, dann, dass ich dringlichst an meinem Fokus arbeiten muss. Zwar war ich mir bis dato der Tatsache, dass ich während eines Spieles extremst anfällig für mannigfaltige, der Außenwelt geschuldete, Störfaktoren bin, ohne jeden Zweifel bewusst, (Neulich hat beispielsweise mein Schreiber während meines Wurfes an seinen Fingernägeln geknabbert. Ich kann tatsächlich nicht in Worte fassen, wie sehr mich diese kleine, dennoch zweifelsfrei absolut unangebrachte, Geste aus dem Takt gebracht hat!), dass meine Aufmerksamkeitsspanne allerdings mittig zwischen der einer Eintagsfliege und derjenigen eines Goldfisches rangiert, hätte ich mir in meinen schlimmsten Alpträumen nicht auszumalen gewagt.

Nun, am Anfang allen Fortschrittes stehen wohl keine Highfinishes, sondern Erkenntnis. Nur wenn man seine Schwächen kennt und sie klar benennen kann, wird man der Chance habhaft, sich ihrer anzunehmen und sich zu verbessern. Und für diese wichtige Einsicht bin ich Helene von Herzen dankbar, auch wenn ich mir vollumfänglich sicher bin, dass es eine weitaus sanftere Methode gegeben hätte, mir meine konzentrischen Defizite vor Augen zu führen als stundenlangen, langfristig ganz sicher schädlichen (beispielsweise kann ich inzwischen tatsächlich annähernd das komplette Album auswendig Wort für Wort mitsingen), Pop-Schlager-Konsum. Doch sei es drum, manchmal ist das Wissen an sich ausschlaggebend, nicht die Art und Weise, wie man es erlangt hat. Was nicht heißen soll, dass ich Frau Fischer verzeihe. So weit bin ich noch lange nicht…

Mangelnde Konzentration. Ein Problem, welchem ich mich, entgegen jedwedem Hang zur Prokrastination, noch während der farbenprächtigen Trainingsphase gewidmet und mich in Folge dessen mit Ohropax bewaffnet habe. Aber entweder habe ich komische Ohren, oder bin schlicht und ergreifend zu grobmotorisch veranlagt – jedenfalls war ich schnell mehr damit beschäftigt, die Wattebäuschchen in rechte Position zu rücken, anstatt meine Pfeile möglichst präzise dort zu platzieren, wo sie hin sollten. Nicht zum ersten Mal rettete mich ein Mitspieler aus der Misere, in diesem Falle, indem er mir den absolut perfekt für mich geeigneten Gehörschutz* überreichte (Danke Dennis und Mara, ihr seid ohnehin absolut einhornmäßig entzückend!). Natürlich löst ein Knopf im Ohr allein nicht mein Problem, aber der bloße, leichte Druck im Kopf und die Tatsache, dass in etwa nur noch die Hälfte des im näheren Umkreis tobenden Geräusche-Tohuwabohus mich erreicht, helfen mir immerhin ein mittelgroßes Stück weiter, um bei mir selbst zu bleiben. Natürlich ist auch das nicht immer einfach, bedeutet es doch, mit seinem größten Feind – dem inneren Schweinehund, alleine zu sein. Nichtsdestotrotz kann es gewiss nicht schaden, so viele störende Faktoren wie möglich zu eliminieren, um sich auf den finalen Cat-Fight Miri vs. Miri vorzubereiten, jawohl.

Tussi am Board trifft Helene Fischer Farbenspiel BilanzKeinesfalls möchte ich den Statistik-Freaks unter Euch die blanken Zahlen, die der personifizierte Teufels mit sich brachte, verschweigen, schließlich habe ich für dieses numerische Desaster im Vorangegangenen eine adäquate und mehr als ausführliche Entschuldigung präsentiert. Dass noch immer die 127 das höchste der zu erreichenden Gefühle zu sein scheint, ärgert mich schon ein wenig, besonders im Hinblick darauf, dass zusehends einige spezielle Triple zum Stellen des gewünschten Doppels (allen voran sowohl die T12 bei 72 Rest für D18 als auch die T14, wahlweise bei 82 oder 74 Rest) für meine Verhältnisse erstaunlich gut funktionieren. Der absolut indiskutablen Checkrate innerhalb der ersten Aufnahme kann ich wenigstens noch eine 112 im zweiten Anlauf hinzufügen, was zwar auch ein schönes Highfinish darstellt, jedoch nicht unbedingt für die Qualität meiner ersten drei Darts spricht. Nun ja, wie war das, keiner ist fehlerfrei, oder? 😉

Ich habe den Glauben an den langfristigen Erfolg dieses Trainingsprojektes nicht im geringsten verloren, merke ich doch – zumindest dann, wenn nicht ausgerechnet Helene Fischer ihr Sangesrepertoire Studienbegleitend zum Besten gibt – dass ich meine Pfeile mit langsam, aber stetig wachsender Sicherheit werfe. Und wenigstens Prinzessin Lillifee wurde in meiner geliebten Dartecke zwischenzeitlich mehrfach Zeuge davon, dass ich mitunter zweifelsfrei in der Lage bin, über einen längeren Zeitraum hinweg einen durchaus beachtlichen Schnitt zu spielen, und solch gute Legs auch mit einem schnellen Check zumachen kann. Warum das bisher annähernd exklusiv zu Hause funktioniert? – Nun, vielleicht bedarf es zur Lösung dieses Missstandes einer anderen CD. Wir werden es ja sehen.

Apropos: Ich bin nach wie vor auf Eure rege Mithilfe angewiesen. Werdet meine Musik- und damit gleichzeitig auch Trainingspaten! Hier noch einmal der ursprüngliche Aufruf, dessen Resonanz bisher leider mehr als überschaubar ist.

Was Ihr wissen müsst:
  • Audio-CD, MP3-CD oder Vinyl – Vieles ist möglich (bevorzugt eine Version, die ich nicht allzu schnell zurückgeben muss, damit ich zeitlich einigermaßen flexibel bleibe).
  • Ob Euer favorisiertes Album eines bestimmten Künstlers oder eine von Euch erstellte Compilation mit Lieblingsstücken, beides ist natürlich erlaubt!
  • Die Spieldauer des Mediums sollte möglichst nicht über 60 Minuten liegen (wir wollen es ja auch nicht übertreiben mit dem Training 😉 ).
  • Bitte sucht die Musik nach EUREM Gusto aus, überlegt nicht, was mir gefallen könnte und was nicht, das ist absolut irrelevant.
  • Selbstverständlich darf Eure Wahl auf etwas fallen, was potentiell (ein bisschen kennt ihr mich ja) überhaupt nicht meinen Geschmack trifft, allerdings nur dann, wenn Ihr selbst es wirklich mögt.
  • Wenn Ihr mich mit unsäglichen Peinlichkeiten quälen möchtet, nur zu, seit Euch aber der Tatsache bewusst, dass ich in jedem Fall NAMENTLICH erwähnen werde, wessen Leihgabe mir das Training versüßt (oder eben nicht)

Ode an die Vielfalt

Wer der Meinung ist, dass der Worte am heutigen Tage ja nun wirklich zu genüge gefallen wären, dem gebe ich natürlich Recht. Allerdings gibt es noch eine Sache, die mir am Herzen liegt und deren Erwähnung während des Verfassens dieses Artikels zu einem unumstößlichen Muss heranwuchs. Ich möchte mich nicht im Speziellen an humorabstinente Helene Fischer Fans richten, die, aus welchem Grund auch immer, hier gelandet sind und mutmaßlich seit geraumer Zeit mit den Hufen scharren, einen günstigen Zeitpunkt abpassend, um mir den teuflischen Dreizack ihrer Königin in die Eingeweide rammen zu können. Doch sind natürlich auch, oder gerade, sie herzlich eingeladen, diese, nun wirklich abschließenden, Sätze zu rezipieren.

Ich benutzte soeben den Begriff „humorabstinent“. Möchte ich damit zurückrudern und sagen, dass eigentlich alles halb so wild war? Auf gar keinen Fall. Ich finde das Album „Farbenspiel“, dessen klang- und gehaltvollstes Element definitiv der Name ist, absolut scheußlich, grauenvoll und in den wenigen Verschnaufpausen schrecklich langweilig (außer „Te Quiero“, das ist voll schön!). Darüber hinaus kann ich der Person des öffentlichen Lebens Helene Fischer, und ihrem in den Medien repräsentierten Ich (Etwas anderes kenne ich nicht, und käme folglich auch niemals auf die Idee, private Charakterzüge bewerten zu wollen) absolut nichts Positives abgewinnen. Und das, nämlich meine höchst persönliche, subjektive Meinung, ist mein gutes Recht. Meines, und das von jedem anderen auch. Ich liebe Musik mit jeder einzelnen Pore meines Körpers, verarbeite mit ihrer Hilfe Trauer, Schmerz, Leid und auch Freude. Sie macht mich glücklich und trocknet mitunter sogar meine Tränen. Ich mag Musik in den verschiedensten Facetten, kann mich für Klassik ebenso begeistern, wie für eine leidenschaftlich gekeifte Black-Metal-Nummer oder ein chilliges Country-Stück. Auch bin ich kein grundsätzlicher Schlager- oder Volksmusik-Gegner (Beim Anblick meiner umfangreichen Kastelruther Spatzen Sammlung würde so manch einer Omi das Wasser im Mund zusammen laufen!), der „Gedeih und Verderb“ schreit, sobald jenes Genre nur ansatzweise tangiert wird – Im Gegenteil: Man spiele mir beispielsweise „Geh nicht vorbei“ von Christian Anders* vor (Die originale Fassung, bitteschön!) und ich schmelze dahin. Nein, ich finde einfach nur Helene Fischer und ihre Allgegenwart kurz, knapp und unpoetisch scheiße. Und das ist kein Neid, sondern bloßer Selbsterhaltungstrieb – ein ureigener Instinkt quasi. Diese „Musik“ gibt mir nichts, absolut gar nichts, klingt sie für meine Ohren doch bis auf den letzten Ton unehrlich und aufgesetzt, egal wie gut Frau Fischer singen kann (Und das sie das kann ist mir nicht entgangen, ich bin schließlich nicht taub.). Doch sehe ich darin keinen persönlichen Angriff gegenüber den Anhängern jener Interpretin, denn natürlich akzeptiere ich, dass es Menschen gibt, die im „Farbenspiel“ ihren Messias gefunden haben. Viel mehr noch: Ich freue mich von Herzen, dass auch anderen Personen eine Melodie so viel geben kann wie mir – auch wenn sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Und damit sollten wir alle zufrieden sein. Jeder soll das hören, was ihm gefällt und verschmähen, was ihm zuwider ist – nicht aber diejenigen, die ihre subjektiven Gedanken offenbaren. Versuche, andere zu bekehren sind tunlichst zu unterlassen. Es gibt so viele spannende Instrumente, Künstler, Stile und dergleichen mehr. Warum also sollten wir jemanden, der unsere Meinung nicht teilt, mit Gift und Galle bespucken? Wäre es nicht viel schöner, die Vielfalt der Musik auf die Vielfalt der Menschen und des Lebens zu projizieren, und sich daran zu erfreuen, dass jeder bei seiner persönlichen Meinungsfindung aus einem schier unendlichen Pool an Kreativität schöpfen kann? Ja, das wäre es, wie ich finde. Außerdem bin ich mir sicher, dass viele von Euch ihrerseits einen Großteil meiner bevorzugten Bands mehr als fragwürdig finden. Und das finde ich toll! Wie langweilig wäre diese Welt und unser Zusammenleben denn, wenn jeder einzelne die gleichen Vorlieben hätte? Ist es nicht vielmehr ein wunderbar erhebendes Gefühl, etwas sein eigen zu nennen, was nicht jeder hat, kennt oder bevorzugt?

Die Kunst, wirkliche Toleranz nicht nur zu repräsentieren, sondern sie auch aktiv in die Gesellschaft zu tragen, ist, meinem Empfinden nach, gar nicht so schwer, wenn man sich Folgendes zum Leitfaden nimmt: Wenn man etwas – sei es Musik, einen politischen Standpunkt oder einen Menschen, whatever – von Herzen liebt, dann hat man es nicht nötig, diese Liebe unter Beweis zu stellen, indem man all jene, die eine andere Auffassung vertreten, mit negativen Worten und Taten diffamiert. Wenn man sich seiner Gefühle und seiner Überzeugungen vollumfänglich sicher ist, dann ist der beste Weg, diese Leidenschaft zu zelebrieren, indem man dem Objekt all jener positiven Empfindungen genau diese Zuwendung zukommen lässt. Schreibt Helene, warum Ihr sie über alle Maßen vergöttert, statt diejenigen zu beschimpfen, die Eure Euphorie nicht zu teilen scheinen. Sagt dem einen Menschen, den Ihr bis zum Mond und wieder zurück liebt, und für den Ihr alles Leid dieser Welt auf Eure Schultern laden würdet, so es ihm denn irgendwie helfe, warum das so genau so und nicht anders ist, anstatt diejenigen zu beleidigen, die Eurem Schatz augenscheinlich mehr Wertschätzung zu Teil werden lassen als Ihr selbst. Und solltet Ihr doch zur Gattung der Missionare gehören, dann versucht auch die Überzeugungsarbeit mit positivem Zuspruch, nicht aber mittels Abwertung anderer Meinungen und all jener, die den Mut haben, in diesen schweren Zeiten offen zu sagen, was sie denken. Amen. In diesem Sinne. Game On – Make Love, Not War! Und das allerletzte Wort überlasse ich als Akt fröhlich vorgelebter Toleranz niemand geringerem als… Helene Fischer!

 

 


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