Tödliche Gaben – Die spannendsten Weihnachtskrimis oder „Wenn Langeweile töten könnte…“

Tödliche Gaben - Die spannendsten Weihnachtskrimis / Silke Jellinghaus (Hrsg.)

Bei „Tödliche Gaben“ handelt es sich um eine Sammlung von Kurzgeschichten aus dem Krimi- und Thrillerbereich, herausgegeben von Silke Jellinghaus. Unter anderem enthält der Band Short Stories von Simon Beckett und Sebastian Fitzek.

Einleitung oder Warum gerade dieses Buch

Bei meinem Erfahrungsbericht zu Simon Becketts Roman „Tiere“ vor ein paar Monaten tönte ich noch großschnäuzig, dass mir die bloße Erwähnung seines Namens auf einem Sammelsurium geistiger Ergüsse mehr oder auch minder bekannter Krimi-Autoren nicht Kaufanreiz genug sei und ich mich bis dato strikt weigerte, mir „Tödliche Gaben“ zuzulegen. Eigentlich ziemlich tapfer von mir, schließlich setzte der Rowohlt Verlag seinerzeit alles daran, mit der Aufmachung des Buches optisch möglichst nah an das Design der David Hunter-Reihe zu kommen. Als sei dies nicht schon genug Irreführung, prangerte Becketts Name auf der damals ziemlich überteuerten Erstausgabe in großen Lettern, unübersehbar und nahezu unmöglich zu ignorieren für den geneigten Krimi-Fan. Und doch blieb ich standhaft und ließ mich von den Werbestrategien des Verlages nicht verleiten.

Warum also habe ich „Tödliche Gaben“ nun doch gekauft? Auf Anraten meiner Krankengymnastin, die ich liebevoll Metzgerin nenne, machte ich mich auf der Suche nach einer Pilates-DVD, denn ich hab Rücken ;-). Da in fast allen Online-Shops nach wie vor die Devise „Buch dabei, versandkostenfrei“ gilt, sortierte ich einfach mal die offerierten Thriller aufsteigend nach Preis und stellte fest, dass „Tödliche Gaben“ gerade in einer Sonder-Taschenbuch-Ausgabe erschienen ist, deren Preis in Höhe von 4,99€ dann selbst für den willensstärksten Krimi-Sparfuchs zu verlockend war. Also ergab ich mich in mein Schicksal. Ob man sich auch über eine Investition von rund 5€ im Nachhinein ärgern kann, sollt ihr im Folgenden erfahren.

Buchdaten

Sonderausgabe November 2011 veröffentlicht im Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg, November 2010
Herausgeber: Silke Jellinghaus
Übersetzung ins Deutsche von Tanja Handels, Andree Hesse, Katharina Naumann, Constanze Rheinholz, Gabriele Schrey-Vasara, Michael Windgassen
Seitenzahl: 220
Preis: 4.99 Euro
Genre: Krimi/Thriller
ISBN: 978 3 499 25783 4

Klappentext

Gänsehaut unterm Weihnachtsbaum

Fröhliche Weihnacht überall? Weit gefehlt! Rund um den Globus ruht das Verbrechen auch zwischen den Festtagen nicht. In den schottischen Highlands werden im Schnee zwei Leichen gefunden. In den USA setzt sich eine traumatisierte Polizistin mit ihrer Vergangenheit auseinander. Eine Ehefrau in Geldnöten plant einen Mord. In Finnland wird ein kleines Mädchen entführt. Ein Schwerverbrecher sucht den Ort auf, an dem er so viele Leben zerstört hat.

Während draußen leise der Schnee rieselt, lehren die erfolgreichsten Krimiautoren das Fürchten: Simon Beckett, Friedrich Ani, Linwood Barclay, Oliver Bottini, Sebastian Fitzek, Felicitas Mayall, Chris Moonay, Kate Pepper u.a.

Die Geschichten

Werfen wir also einmal einen etwas genauen Blick auf die einzelnen Kurzgeschichten und deren Autoren. Der Einfachheit halber übernehme ich das Ciao.de 5-Sterne Bewertungssystem ohne Abstufungen, sprich halbe Sterne, um die Stories abschließend zu bewerten. Die kurzen Infos zu den jeweiligen Geschichten sind so gehalten, dass sie keineswegs die, oft recht mageren, Spannungsmomente vorwegnehmen, sondern einfach einen kleinen Einblick in die Thematik bieten. Sie können dementsprechend ohne Bedenken rezipiert werden.

Wer sich darüber hinaus fragen sollte, warum ich dem jeweiligen Autor auch die ein oder andere Zeile widme, dem kann ich eine sehr einfache Antwort liefern: Ich liebe Thriller und Krimis, doch noch mehr als stand-alone Geschichten mag ich Serien mit wiederkehrenden Hauptfiguren, welche den beschriebenen Problemen auf den Grund gehen. Auf der Suche nach eben solchen Buch-Reihen lege ich persönlich mehr Wert auf die Meinung und Empfehlung von gleich gesinnten Leseratten als auf die der PR-Abteilung des jeweiligen Buch-Verlages. Und da ich mir nur schwerlich vorstellen kann, dass es mir allein so geht, möchte ich allen geneigten Lesern, die ebenso wie ich nicht alle der hier verantwortlichen Autoren kennen, schlichtweg einen kleinen Einblick in deren Schaffen bieten. Vielleicht entsteht so die eine oder andere Inspiration um den Lesehorizont entsprechend zu erweitern.

1. Simon Beckett – Schneefall

Zum Autor: Der Rowohlt-Verlag hat nicht grundlos auf Simon Beckett als Zugpferd für dieses Geschichten-Konglomerat gesetzt, schließlich lächeln die einzelnen Veröffentlichungen um seinen Hauptcharakter, den forensischen Anthropologen David Hunter, regelmäßig von Platz 1 der Buch-Bestsellerlisten in aller Welt. Auf der Welle dieses Erfolges schwimmend veröffentlichte er nachträglich in Deutschland auch seine alten stand-alone Thriller aus den 90er Jahren, welche eher zwiespältige Kritiken ernteten, was die Fans jedoch nicht davon abhielt die Erstlingswerke des Briten zu kaufen. Auch die hier ins Buch eingebettete Kurz-Geschichte handelt vom schicksalsgebeutelten David Hunter.

Zur Geschichte: In den schottischen Highlands werden 2 Leichen gefunden. Ein Fall für den forensischen Anthropologen David Hunter, denn es sind nicht die ersten Leichen, die das idyllische Naturschauspiel jener Berge jäh unterbrechen…

Meinung: Nachdem ich die very shorte Short Story ausgelesen hatte, schlug ich das Buch zu und vergewisserte mich, ob ich den Buch-Untertitel tatsächlich richtig in Erinnerung habe. Und fürwahr, es ist nichts daran zu rütteln, da steht tatsächlich „Die spannendsten Weihnachtskrimis“. In meiner Englisch-LK Zeit, lang ist’s her, beschäftigten wir uns ein ganzes Halbjahr mit Kurzgeschichten, was mich unter Anwendung all meiner Expertise diesbezüglich zu dem Schluss bringt, dass „Schneefall“ gar keine solche ist. Vielleicht würden die paar Seiten als Prolog für einen Hunter Roman taugen, obwohl nein, selbst dafür wären sie zu langweilig. Das einzige was hier das Prädikat Krimi rechtfertigt, ist David Hunter, die Figur aus den Bestseller-Romanen Becketts. Nach dieser Geschichte, die nicht mal eine ist, steht ganz klar fest: Simon Beckett diente hier wirklich ausschließlich als Eye-Catcher und Kaufanreiz, man wollte diesen Namen, ganz egal was er schlussendlich zu Papier bringt. Ein absoluter Total-Ausfall, den ich an Stelle der Verleger nicht an den Anfang gesetzt hätte, die Gefahr, dass die Leute die Bücher entnervt zurück in den Laden bringen wäre mir da persönlich zu groß gewesen. Fazit: Ein Name allein macht noch keinen Thriller und die Floskel „Frohe Weihnachten“ keinen Weihnachtskrimi. All jene, die „Tödliche Gaben“ kauften ohne Simon Beckett und seine Bücher zu kennen, möchte ich bitten, diese Geschichte einfach zu ignorieren und „Die Chemie des Todes“ zu lesen. Der Autor und Journalist kann definitiv auch anders und dieser peinliche „Schneefall“ ist alles andere als repräsentativ.

2 von 10 Punkten

2. Oliver Bottini – Die Rückkehr des Mörders

Zum Autor: Oliver Bottini, ein waschechter Bayer ist Autor und Journalist, eine offenbar gern eingeschlagene Kombination. Sein Hauptwerk ist die bisher 5 Teile umfassende Reihe rund um die Kommissarin Louise Bonì, deren Ermittler-Einstand dem Wahl-Münchner im Jahre 2005 sogar den Deutschen Krimi-Preis bescherte. Darüber hinaus verfasst Bottini sowohl Sachbücher als auch gelegentlich Kurzgeschichte, so dass „Die Rückkehr des Mörders“ Genre-technisch kein Neuland für ihn ist. Mit der Serie um Louise Boni scheint das Ganze hier jedoch nichts zu tun zu haben.

Zur Geschichte: 14 Jahre ist es her seit der verurteilte Mörder Janisch seine Haft antrat. Nun ist der Tag gekommen, vor dem sich alle damals beteiligten fürchteten: Er wurde entlassen. Die damals ermittelnden Kripo-Beamten machen sich daran, alle stark in den Fall involvierten Personen davon in Kenntnis zu setzen: Die alles entscheidenden Fragen: Wo ist Janisch und auf wen, wenn überhaupt, hat er 14 Jahre lang seine Rache-Gelüste projiziert?

Meinung: Der einzige Bezugspunkt dieser Kurzgeschichte zum Oberthema Weihnachten ist die Tatsache, dass Winter ist. Erfreulicherweise hat Herr Bottini sich vor dem Schreiben von „Die Rückkehr des Mörders“ noch einmal die Prämisse der vorliegenden Sammlung zu Gemüte geführt, was darin resultiert, dass tatsächlich so etwas wie Krimi-affine Spannung aufkommt, auch wenn diese ein paar Seiten benötigt bis sie sich häuslich einnistet. Dafür habe ich jedoch an anderer Stelle zu meckern, jedoch mehr aus persönlichem Empfinden heraus, denn mir gefällt der Schreibstil des mir bis dato gänzlich unbekannten Herrn Bottini nicht. Teils abgehackte Sätze und die quantitativ überdurchschnittliche Benutzung des Begriffes „und“ legen dem flüssigen Lesen doch den ein oder anderen Stolperstein in den Weg. Fazit: Wenn die Spannung Schnee wäre, finge es an dieser Stelle der Short Story Sammlung zum ersten Mal leise an zu rieseln.

6 von 10 Punkten

3. Chris Mooney – Verfluchte Liebe

Zum Autor: Gerade, auf der krimi-couch sitzend, las ich dort, dass der Amerikaner Chris Mooney sich während seiner Studienzeit für einen Master-of-Arts-Studiengang bewarb, jedoch aufgrund von mangelhafter Schreibe abgelehnt wurde. Man könnte meinen, das ließe tief blicken, aber: allen Kritikern zum Trotz machte er seinen Master einfach an einer anderen Uni und schreibt heute Bestseller. Hartnäckigkeit zahlt sich eben doch aus. Neben einigen stand-alone Thrillern hat der Wahl-Bostoner auch eine bisher 4-teillige Ermittler-Serie am Start, um deren Hauptcharakter Darby-McCormick sich auch die Kurzgeschichte im vorliegenden Buch dreht.

Zur Geschichte: Darby-McCormick ist Polizistin und Opfer zugleich, denn ihr letzter Fall kostete sie fast ihr Leben. Der Fund eines Knochens bringt sie zurück an den traumatischen Ort, wo sie vor einiger Zeit fast gestorben wäre. Doch sie will sich beweisen, dass sie Frau genug ist ihren Mann zu stehen. Schließlich wartet der Fall eines vermissten Kindes auf Aufklärung…

Meinung: Ich würde Chris Mooney, bis dato nicht einmal namentlich in meinem imaginären Hirn-Ordnungssystem vermerkt, ja so einiges attestieren, aber sicherlich keine schlechte oder gar mangelhafte Schreibe. Die Schilderungen rund um seine Hauptfigur Darby-McCormick sind detailliert, präzise und heizen die bis hierher noch recht sparsame Flamme der Spannung endlich ein Mal so richtig auf. Zwar erwartet den Leser auch hier keine actiongeladene Hatz, der garstige, boshafte Thrill lauert hier im Detail und in der Wortwahl. Zwar kann das Ende von „Verfluchte Liebe“ nicht das halten, was der von Mooney stimmungsvoll formulierte Weg dorthin verspricht, dennoch bleiben Ernüchterung oder gar Enttäuschung vollends aus. Diese Kurzgeschichte schürt auf jeden Fall das Interesse an der Darby-McCormick-Reihe, welche ich hiermit feierlich in meine erweiterte Liste von potentiellen nächsten Opfern aufnehme, denn sogar schmunzeln durfte man hier ob der ein oder anderen schriftstellerischen Spitzfindigkeit.

8 von 10 Punkten

4. Friedrich Ani – Wo es dem Verbrecher schmeckt

Zum Autor: Warum Friedrich Ani nicht ein wenig mehr in Sachen Publicity in Bezug auf „Tödliche Gaben“ erwähnt wurde, ist mir in nicht unbedingt dezentem Maße rätselhaft, schließlich ist der aus Oberbayern stammende Schriftsteller ebenso wie seine Bücher alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Mit seiner Reihe um den Kommissar Tabor Süden erreichte er nicht nur zahlreiche Leser und heimste einen Haufen Preise ein, nein, im Laufe der Zeit wurden auch einige jener Romane für das Fernsehen verfilmt. Auch über die Tabor Süden-Reihe hinaus schreibt Ani Drehbücher, Jugendbücher, Hörbücher und dergleichen mehr. Die hier aufgeführte Kurzgeschichte steht in keinem Zusammenhang mit seiner Kriminal-Serie.

Zur Geschichte: Die Kliers sind, wenn man es genau betrachtet, ein typisches deutsches Ehepaar: Die Frau redet sich den Mund fusselig, während der Mann einfach nur in Ruhe die aktuelle Ausgabe seines Kicker-Magazins lesen möchte ;-). Das Kommunikations-Problem jedoch ist in diesem Fall das kleinere Übel, schließlich sehen die beiden sich vor einem immensen Schuldenberg stehen. Als Lise offenkundig über einen nicht ganz gesetzeskonformen Plan zur Lösung des Geldproblems sinniert, wird Gideon irgendwann dann doch ziemlich hellhörig…

Meinung: Als einer der sehr wenigen Autoren in dieser Sammlung hat Ani es fertig gebracht, seine Geschichte, so kurz sie auch sein mag, in Kapitel, durchaus sinnvolle wohlgemerkt, zu untergliedern. Besonders gut gefallen hat mir hier, dass das Ende ähnlich konkludent ist wie man es auch von einem ganz normalen Roman erwarten würde. Zum ersten Mal hat man so richtig das Gefühl, die Geschichte hat nicht nur Hand und Fuß, sondern auch Anfang und Ende. Darüber hinaus ist „Wo es dem Verbrecher schmeckt“ bitterböse und mit einer zünftigen Brise bissigen Humors gewürzt, was zum Großteil darüber hinwegtäuschen kann, dass bei aller Sympathie für die Geschichte an sich, die Spannung nach wenigen Seiten vollends auf der Strecke bleibt. Dies resultiert aus der Tatsache, dass Ani das, was vermutlich jeder Leser als Höhepunkt der Geschichte betrachten würde, fast beiläufig in die Mitte der Erzählung platziert. Trotzdem ein kurzweiliger Spaß, an den man sich auch am Ende des Buches wohl noch erinnern können wird. Zumindest bin ich tendenziell neugierig bei Gelegenheit einen genaueren Blick auf den Autor zu werfen.

6 von 10 Punkten

5. Linwood Barclay – Wichteltod (Eine Zack-Walker-Geschichte)

Zum Autor: Auch der amerikanisch-kanadische Autor kann sich mit Fug und Recht Bestseller-Autor schimpfen, sieht sein Steckenpferd jedoch nicht ausschließlich in kriminalistischer Literatur. Wie viele seiner Kollegen arbeitet Barclay ebenfalls als Journalist und ist auch für seine humoristische Schreibe bekannt und geschätzt, hatte sogar jahrelang eine beliebte Kolumne im Toronto Star. Für „Tödliche Gaben“ steuert der Wortakrobat eine Zack-Walker-Geschichte bei, deren Hauptfigur Protagonist einer 4-teiligen Roman-Reihe aus der Feder des Schriftsteller ist.

Zur Geschichte: Der hierzulande allseits unbeliebte Weihnachtsstress, wenn es darum geht noch die letzten Geschenke fürs Fest zu ergattern, macht auch vor Übersee nicht halt. Zack Walker, freier Autor von Science-Fiction Romanen und seine Frau Sarah brechen an einem Samstag kurz vor der großen Bescherung zur Shopping-Tour auf. Dass sie ein ungewöhnliches und völlig unerwartetes Erlebnis mit einem Wichtel haben sollten, wissen sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht…

Meinung: Der Vorname des Protagonisten ist hier Programm: Zack – da ist sie endlich, die ersten Weihnachts-Krimi-Kurzgeschichte die ihren Namen auch tatsächlich verdient. Hier manifestiert sich die Weihnachts-Thematik nicht bloß in Gruß-Floskeln oder durch fallende Schneeflocken, nein, hier ist sie wichtiger Bestandteil des Plots, was natürlich auch der Titel der Geschichte von impliziert. Linwood Barclay legt in der Zack-Wilder-Reihe, anders als in seinen späteren Werken, die eher düstere Psychothriller sind und ihm den internationalen Durchbruch beschert haben, eine ordentliche Portion Wortwitz und Situationskomik in die Waagschale, was Wichteltod, auch wenn es um keine rasante Mörderjagd oder dergleichen geht, zumindest an dieser Stelle des Buches (immerhin haben wir fast Halbzeit) zum absoluten Highlight macht. Offensichtlich hat der Autor den Arbeitsauftrag, sehr viel intensiver als seine Vorredner, den zumindest ich selbst hinter einem Buch mit dem bereits erwähnten Untertitel erwarte, in allen Belangen richtig aufgefasst. Und auch wenn mich diese Geschichte sicher nicht das Fürchten gelehrt hat, so hat sich mich doch bestens, eben speziell durch die starke Brise Humor, unterhalten. Die Krimi-Reihe um Zack Walker kommt definitiv auf meinen Wunschzettel!

10 von 10 Punkten

6. Leena Lehtolainen – Die Weihnachtssterne

Zur Autorin: Die Finnin ist in ihrer Heimat längst so etwas wie eine Berühmtheit und auch hierzulande sollte die, aktuell 11 Teile umfassende Krimi-Reihe um Polizistin und Juristin Maria Kallio einigen Krimi-Fans ein Begriff sein (ich gebe zu, mir leider nicht). Mein Unwissen ob der Protagonisten hält diese nicht davon ab in Leena Lehtolainens Heimat zur weiblichen Kultfigur der dortigen Krimiszene avanciert zu sein. Die Finnin, welche nicht bloß Autorin, sondern auch Literaturwissenschaftlerin und Kritikerin auf ihrer Visitenkarte abgedruckt hat, räumte in Finnland das Pendant zum Deutschen Krimi Preis ab und schreibt neben den erwähnten Kriminalromanen beispielsweise auch Kurz- und Familiengeschichten. Die vorliegende Geschichte dreht sich um die bereits erwähnte Polizistin Maria Kallio.

Zur Geschichte: Maria verbringt das Weihnachtsfest zusammen mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Baby in ihrer alten Heimat bei ihren Eltern. Dass da so manch ein Wiedersehen mit alten Bekannten nicht ausbleibt, versteht sich von selbst. Dass am Heiligen Abend jedoch ihre alte Jugendliebe Johnny vor ihr stehen würde, damit hätte Maria nun wirklich nicht gerechnet. Prompt lässt sie alles und jeden stehen und liegen und hilft dem Frauenschwarm bei seinem nicht ganz alltäglichen Anliegen…

Meinung: Da ich mich vor dem Lesen von „Der Weihnachtsstern“ über die Biografie der finnischen Autorin erkundigte, war ich doppelt gespannt was mich erwarten würde, schließlich bin ich immer darauf erpicht, neue und interessante Ermittler-Serien für mich zu entdecken. Rund zwanzig Seiten später bin ich weder enttäuscht, noch sonderlich entzückt, denn was die erste Frau in diesem Autorenzirkel zu Papier bringt ist in jeder Hinsicht durchschnittlich. Zwar knüpft sie die Weihnachtsthematik einigermaßen stimmig in ihre Short Story ein, jedoch bei weitem nicht so überzeugend wie ihr Vorredner Barclay. Obwohl auf solchem begrenztem Raum wie in einer solchen Sammlung jede Seite zählt verliert sich Leena Lehtolainen in recht langweiligen Erzählungen das Umfeld der Protagonistin und führt in der Kürze so viele Personen in die Handlung ein, wo so mancher vollständiger Roman quantitativ kaum mithalten kann. Zwar hat die Hauptidee der Geschichte durchaus einiges an Spannungspotential, doch verschenkt die Autorin dieses, indem sie Protagonisten Maria Kallio den Fall in Windeseile aufklären lässt. Ich persönlich dachte mir die ganze Zeit „irgendwo ist ein Haken, da kommt sicher noch was“, doch kann ich mir nicht vorstellen, dass Leena Lehtolainen auf diesem Wege, nämlich mit der Unbefriedigung des Lesers, Spannung erzeugen wollte. Während Darby McCormick einige Geschichten zuvor mittels Zwiegespräch mit einer Art inneren Dämon eine interessante Aura um sich und ihre Person schaffen konnte, bleibt Polizistin Kallio blass und kantenlos. Die Buch-Reihe rund um diesen Charakter werde ich vorerst meiden.

4 von 10 Punkten

7. Felicitas Mayall – Euer Wille geschehe

Zur Autorin: Unter ihrem eigentlichen Namen Barbara Veit schrieb die gebürtige Münchnerin Kinder- und Jugendromane. Da die ehemalige Journalisten jedoch sicherstellen wollte, dass man unbefangen an ihre Kriminalromane herangeht, legte sie sich ein Pseudonym zu, unter welchem sie bisher 7 Teile einer Krimi-Reihe um die Münchner Kommissarin Laura Gottberg veröffentlicht hat.

Zur Geschichte: Pater Ignazius ist Ordensbruder und ein Diener Gottes aus Leidenschaft. Zu seinem Leben gehören wie tägliche Gebete lange Spaziergänge, welche kurz vor Weihnachten etwas kürzer ausfallen, denn es ist mächtig kalt. Ignazius hat viel Zeit zum Nachdenken, und so muss er sich eingestehen: er langweilt sich! Ein sündiger Gedanke. Auf der Suche nach einer Aufgabe und seiner wahren, von Gott gegebenen Bestimmung, soll das Verspüren von Langweile nicht die einzige Sünde des Paters bleiben…

Meinung: Daran, dass der weihnachtliche Leitfaden, den man eigentlich hätte kräftiger erwarten mögen, nur obligatorisch in den meisten Geschichte platziert wird, meist durch bloße Erwähnung der Wetterverhältnisse, hat man sich inzwischen gewöhnt und sich damit abgefunden, weshalb Mayalls Geschichte bei diesem Aspekt nicht enttäuscht, schließlich hat man nichts anderes erwartet. Doch erfreulicherweise bleibt Ernüchterung in allen Belangen der Story aus, diese weiß nämlich auf ganzer Linie zu gefallen. Sicher, auch hier mag die vom Verlag intendierte Gänsehaut unterm Christbaum ausbleiben, dennoch punktet die Autorin mit einer pfiffigen Idee, deren Hauptfigur, von Mayall durchaus mit einem Augenzwinkern skizziert, Pater Ignazius in der Kürze unglaublich zu fesseln und faszinieren zugleich. Auch Spannung wird hier behutsam aufgebaut, auch wenn diese sicher nicht mit derjenigen zu vergleichen ist, die man beispielsweise empfinden mag wenn man einen mystischen Thriller im Fernsehen ansieht. Trotzdem stimmt hier alles, und auch wenn man sich nicht gruselt, so darf man wenigstens von Herzen Schmunzeln. Mit Freuden vergebe ich zum zweiten Mal im Verlaufe der Geschichtensammlung die volle Punktzahl, auch wenn man sich, um zum gleichen Ergebnis zu gelangen, ein wenig von dem eigentlich zu erwartenden Grundgerüst verabschieden muss. Auch wenn „Euer Wille geschehe“ wohl nichts mit der eigentlich Buch-Reihe von Felicitas Mayall zu tun hat, landet diese definitiv auf meiner Beobachtungs-Liste, denn der Schreibstil der Dame in Verbindung mit einer Brise Humor weiß zu gefallen.

10 von 10 Punkten

8. Jay Bonansinga – Der wahre Grund der Great Depression

Zum Autor: Die am Ende von „Tödliche Gaben“ abgedruckten Kurzviten sind zwar ohnehin schon recht knapp ausgefallen, die von Herrn Bonansinga jedoch ist mit Abstand die kürzeste und auch mir sagte der Name bis eben rein gar nicht. Ein kurzer Blick auf die krimi-couch offenbarte dann noch die ein oder andere Eigenheit des amerikanischen Autors, der danach beispielsweise ein außerordentlich großes Ego in die Welt hinausträgt. Bisher 3 deutsche Verlagshäuser haben sich an dem Mann, der auch Drehbücher schreibt, mittlerweile mehr oder minder die Zähne ausgebissen. Zu seinen bekannteren Werken zählt wohl „Die Eismumie“. Keiner der Lebensläufe vorher konnte bisher derart viel Spannung meinerseits aufbauen wie dieser, man ist eben doch ein kleiner Voyeur.

Zur Geschichte: Der wahre Grund für die große Depression (schwere Wirtschaftskrise der USA beginnend im Jahre 1929), so macht uns Bonansinga mit seiner Geschichte wissen, war nicht etwa der vorangegangene Börsencrash oder generell ein wirtschaftlich behaftetes Thema, nein. Kurz vor Eintritt jener Great Depression werden zwei Landstreicher auf einen alten, verwirrten Mann aufmerksam. Auf langes Drängen hin gibt dieser schließlich zu, was ihn bedrückt und was er nie beabsichtigt hatte zu tun: Er hat den Weihnachtsmann getötet! Aus diesem Grund ist dessen Elfenarmee hinter ihm her und hat nur eines im Sinn, nämlich den Tod ihres Anführers mit dem seinigen zu rächen…

Meinung: Die Geschichte klingt strange? Oh ja, das ist sie auch. Sie ist sogar dermaßen abwegig, dass sie schon wieder verdammt gut ist, das meine ich völlig ernst. Bonansinga nimmt wie kein zweiter in dieser Geschichten-Sammlung die weihnachtliche Prämisse mehr als intensiv beim Wort und nähert sich der Thematik somit auf sehr pfiffige Weise, was, wenn man die Idee nicht grundsätzlich als Spinnerei abtut, eine Menge Spaß bereiten kann und im Endeffekt wie ein kriminalistisch angehauchtes, düsteres Märchen daherkommt. Mit ihren 40 Seiten ist die vorliegende Erzählung im Durchschnitt gut und gerne doppelt so lang wie die der anderen Autoren, was Fluch und Segen zugleich ist, denn: Es kommt zwar durchaus Spannung auf, jedoch verliert sich Bonansinga zwischenzeitlich in allzu ausschmückenden Formulierungen, die „Der wahre Grund der Great Depression“ künstlich um mindestens 10 Seiten verlängert, was für den Lesefluss und das entsprechende Vergnügen absolut kontraproduktiv ist. Man gewinnt zwischenzeitlich den Eindruck der Autor würde mit einem Thesaurus neben der Schreibmaschine arbeiten, welcher seine Wortwahl aufwerten soll. Ein Omen ist bei dem Amerikaner kein Omen, sondern ein Omen, eine Vorahnung, ein Wink des Schicksals, der Wille Gottes, das Hirngespinst eines Schaulustigen, um es mal etwas überspitzt darzustellen, und das ganze in einem einzigen Satz. Das kann man vielleicht Mal machen, aber auf die Dauer ist es definitiv störend und unterbricht. Die Klimax mag zwar ein beliebtes, rhetorisches Mittel sein, doch ist Rhetorik auch die Kunst die ihr zur Verfügung stehenden Instrumente im richtigen Maß einzusetzen um schlussendlich überzeugen zu können. Schade drum, die Geschichte hätte wahrlich ein Highlight sein können, auch wenn sie wieder nur entfernt verknüpft ist mit Gänsehaut und Thrill.

8 von 10 Punkten

9. Veit Heinichen – Der Baum

Zum Autor: Mit dem in Baden-Württemberg geborenen Heinichen rückt an dieser Stelle der Geschichten-Sammlung wieder ein bekannterer Name in den Interessensfokus. Inzwischen lebt der Autor und einstmalige Buchhändler in der italienischen Stadt Triest, welche auch für seine Roman-Reihe rund um den italienischen Commissario Proteo Laurenti als Schauplatz dient. Die Serie umfasst bisher 7 Bände, von denen einige von der ARD erfolgreich als Fernsehfilme umgesetzt wurden. Mit „Der Baum“ bietet Heinichen an dieser Stelle Einblick in Laurentis Leben, denn auch hier ist dieser Protagonist.

Zur Geschichte: Commissario Laurenti ist noch im Dienst und mit seiner Kollegin unterwegs, da ereilt ihn ein Anruf von seiner aufgewühlten Tochter. Sie und ihre Schwester stecken in Schwierigkeiten, die Polizei ist auch schon da. Da muss Papa dringenst als Problemlöser her, auch wenn er keine Vorstellung davon hat was eine Tanne mit all dem zu tun haben könnte…

Meinung: Zuerst die gute Nachricht: Commissario Laurenti scheint ein sympathischer Titelheld zu sein, der nicht nur regelmäßig Verbrecher, sondern auch seine große, italienische Familie im Zaum halten muss. Dies tut er mit einer Brise Humor und dem nötigen Zynismus. Und dann verließen sie ihn, zumindest in „Der Baum“. Handelte es sich dabei um einen Schulaufsatz, würde vermutlich jeder Lehrkörper zwar ein nettes Geschichtchen attestieren, die Aufgabenstellung sei jedoch nahezu gänzlich verfehlt worden. Ähnlich wie bei Simon Becketts Einstieg in „Tödliche Gaben“ landet Heinichen hier einen kriminalistischen Totalausfall. Die Tanne macht zwar ein bisschen Weihnachten, die Anwesenheit des Kommissars jedoch noch lange keinen Krimi. Völlig spannungsfrei und ohne ersichtliche Motivation den offerierten Grusel auch nur im Ansatz wahr zu machen stellt Heinichen hier seinen Titelhelden vor. Da muss man sich wirklich fragen, ob Frau Jellinghaus in ihrer Position als Lektorin die geistigen Errungenschaften ihrer Autoren vor Veröffentlichung selbst mal gelesen hat. Sollte ich also mit dem Lesen der Lorenti-Reihe anfangen, was so abwegig nicht ist, dann sicher nicht aufgrund dieser Kurzgeschichte.

2 von 10 Punkten

10. Kate Pepper – Mit einem Schlag

Zur Autorin: Kate Pepper alias Katia Lief alias Katia Spiegelmann wurde trotz amerikanischer Eltern in Frankreich geboren, wobei es sie inzwischen in ihre eigentliche Heimat verschlagen hat. In den USA arbeitet sie Vollzeit als Schriftstellerin, was sich in einer Reihe von Thriller-Veröffentlichungen widerspiegelt. Und zumindest der Titel „Der Domino-Killer“ kommt mir namentlich bekannt vor. Er ist der Auftakt einer Krimi-Reihe rund um die Polizistin Karin Schaeffer, welche bisher jedoch erst 2 Romane umfasst und in keinerlei Verbindung zu der hier veröffentlichten Kurzgeschichte steht.

Zur Geschichte: Effie arbeitet seit über 20 Jahren in der Firma als Chefsekretärin, in der gerade eine feucht-fröhliche Weihnachtsfeier in Gange ist. Doch ihr ist nicht nach Feiern, denn noch am Morgen rief ihr Onkologe sie an und hatte keine erfreulichen Nachrichten zu verkünden. Sie würde sterben und das eher früher als später. Grund genug sich endlich den Mut zu fassen um mit ihrem Chef, den sie seit Jahren heimlich liebt, reinen Tisch zu machen…

Meinung: Eigentlich macht Frau Pepper hier alles richtig: Die Anzahl an Figuren ist überschaubar und die Geschichte damit leicht verständlich, die Weihnachtsthematik ist stimmig integriert und auch Spannung kommt auf als es auf den unvermeidlichen Show-Down zugeht. Und doch reißt einen auch diese Geschichte nicht vom Hocker, dafür ist sie zu leicht zu durchschauen. Trotzdem nähert sich Pepper einer Verknüpfung der einzelnen Prämissen gut an und weiß definitiv besser zu gefallen als so manch andere, schier lieblos scheinende Kurzgeschichte in diesem Band. Der Schreibstil offenbart keine Defizite und die Ausschmückungen sind passend und maßvoll eingesetzt, weswegen ich möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt auf den Beginn von Peppers Reihe, „Der Domino-Killer“ zurückgreifen werde.

6 von 10 Punkten

11. Sebastian Fitzek – Allein

Zum Autor: Möchte man den häufiger in den Bereichen Musik und Schauspiel verwandten Begriff „Shooting Star“ auf einen deutschen Krimiautor anwenden, dann fiele eine individuelle Wahl mit Sicherheit häufig auf Sebastian Fitzek. Mit seinem Einstieg in die Psychothriller-Welt in Form von „Die Therapie“ im Jahr 2006 katapultierte der Berliner sich schlagartig in den Bestseller-Olymp, welchen er bis dato im Grunde auch nicht mehr verlassen hat. Zwar wurden die Bücher für meinen Geschmack nach dem grandios packenden Erstling zwar von Mal zu Mal schlechter, trotzdem fasziniert Fitzek immer wieder mit neuen Gimmicks und Ideen um so seine Fans bei der Stange zu halten, die bei regelmäßigen Veröffentlichungen im Jahrestakt oder gar schneller zumindest keine Entzugserscheinungen bekommen. Auch wenn einige Charaktere sich immer wieder in die Bücher Fitzeks einschleichen handelt es sich bei seinen Romanen um keine Serie.

Zur Geschichte: Der pensionierte Psychotherapeut lebt einsam und zurückgezogen mit seinem Hund in einem abgelegenen Haus im Wald, seine geliebte Frau verlor er lange zuvor. Auch am heiligen Abend bricht er zu einem Spaziergang auf, damit der kleine Romulus seine Notdurft verrichten kann. Auf dem Rückweg stellt Jacob erschreckt fest, dass in seinem Haus ein Licht flackert, dabei hatte er doch vor seinem Aufbrechen alle Lichter und Feuer gelöscht. Als er schließlich in seinem Heim ankommt, wird er von einem mysteriösen Unbekannten erwartet…

Meinung: And the Oscar goes to… Sebastian Fitzek. Der Berliner baut auf den wenigen Seiten seiner Geschichte schier ungeheuerliche Spannung auf und macht als einziger Anstalten die Leser wirklich das Fürchten zu lehren. Zwar ist das Weihnachtsmotiv in der Geschichte völlig irrelevant, tut der Spannung jedoch keinen Abbruch. Wenn ich nicht sowieso die meisten von Fitzeks Büchern gelesen hätte, würde ich nun definitiv damit Anfangen.

10 von 10 Punkten

Fazit

Die neue und die alte Aufmachung des Covers: Ich kann durchaus die Enttäuschung der Leute verstehen, die „Tödliche Gaben“ damals unter dem Fehlglauben erwarben, es handle sich dabei um einen neuen Simon Beckett Roman. Auf den ersten Blick hätte man das schwarz-weiße Cover tatsächlich für einen neuen Band der Hunter-Reihe halten, was vom Rowohlt-Verlag mit Sicherheit auch genauso gewollt war. Ob ich es nun aber arglistige Täuschung nennen würde ist fraglich, schließlich ist es jedem selbst überlassen was er auf einem Buch-Einband liest und was nicht. Wie dem auch sei, man tat gut daran a) das Cover farblich zu verändern und Becketts Namen nun in Verbindung mit zwei anderen Autoren zu erwähnen und b) den Preis nach unten hin anzupassen. Denn ob man nun einen David Hunter – Roman erwartet oder nicht, die Enttäuschung über das Buch dürfte fast jeden Leser mehr oder minder ereilen, während oder spätestens nach dem Lesen.

Die Geschichten in ihrer Gesamtheit: Ich war selbst unwahrscheinlich gespannt, welche durchschnittliche Bewertung heraus käme, würde ich meine Einzelbepunktung summieren. Tatsächlich kommt am Ende ein Wert von rund 6,5 heraus, was die Geschichten als leicht überdurchschnittlich bewertet. Dies entspricht nicht unbedingt vollkommen meinem Empfinden was den Gesamteindruck des Buches angeht: ein paar sehr gute Quickies, viele, die in Ordnung gehen und niemandem wehtun und schlussendlich einige wenige wirklich schlechte Geschichten, die die guten wieder aufwiegen und dennoch das Lesevergnügen ungemein stören. Im Nachhinein betrachtet war es ganz richtig, Becketts Short Story an den Anfang zu stellen, so war die Enttäuschung groß und es konnte im Grunde genommen nur noch bergauf gehen, was es in den meisten Fällen ja tat.

Die Notwendigkeit dieses Buches: Tja, die ist, wenn man nicht gerade der produzierende Buch-Verlag ist schlichtweg auf unterstem Niveau anzusiedeln. Ich vergleiche „Tödliche Gaben“ gerne mit meinem Exemplar der Meistererzählungen von Agatha Christie. Dabei handelt es sich im Prinzip auch um Kurzgeschichten, die jedoch lang genug sind um Spannung aufzubauen und zu befriedigen. Hätte man hier auf 3 oder 4 Autoren verzichtet, dafür jedoch den Qualitäts-Standard etwas höher angesiedelt, hielte man hier ein durchaus passables Weihnachtsgeschenk für eine Krimi-Leseratte in Händen. Wer großspurig hohe Erwartungen wie Gänsehaut, Fürchten und Spannung schürt, der muss daraufhin auch abliefern und nicht eine Sammlung teils absolut lieblos zusammengeklöppelter Geschichten niederträchtigerweise auf die Leserschaft loslassen.

Kaufempfehlung: Um neue Autoren, die man bis dato noch nicht auf dem Radar hatte, kennen zu lernen, mag das Ganze hier eine nette Angelegenheit sein, empfohlen haben sich in dieser Hinsicht jedoch viele Autoren nicht und der Schuss geht eher nach hinten los. Wer beispielsweise Beckett kennen lernen wollte, wird ihn nach seinem Eklat wohl eher meiden als den Buchverlag zu bereichern. Auf der anderen Seite geht es in diesem Erfahrungsbericht explizit um die Sonderausgabe für 4,99€ und ich muss sagen: Die war mir der Spaß allemal wert, zumal ich ja doch ein bisschen froh bin, einfach nur aus egoistischen Gründen, das Ding endlich in meine Sammlung im Bücherregal einreihen zu können. Bei jedem Euro mehr hätte ich mich jedoch über die Investition geärgert, das gebe ich offen und ehrlich zu!

Ich würde unter Umständen eine Empfehlung für Lesemuffel aussprechen, die wenig Zeit oder Lust haben sich auf lange und in sich selbst verwobene Krimis und Thriller einzulassen, doch dafür sind doch einige der hier enthaltenen Geschichten viel zu weit ab vom angepriesenen Genre. Ich für meinen Teil hab jetzt jedenfalls zwar erst einmal die Nase entschieden voll von Kurzgeschichten, dafür jedoch einige Anregungen mehr was neuen Lesestoff angeht.

Tödliche Gaben - Die spannendsten Weihnachtskrimis / Silke Jellinghaus (Hrsg.)

Tödliche Gaben - Die spannendsten Weihnachtskrimis / Silke Jellinghaus (Hrsg.)
5

Unterhaltungswert

6/10

    Abwechslung

    7/10

      Spannung

      2/10

        PRO

        • Kennenlernen verschiedener Autoren
        • Inspiration für neuen Lesestoff
        • kurzweilige Unterhaltung

        CONTRA

        • Teils fehlt der Krimi - oder Thrill - Charakter
        • oft langweilige, doch selten tödliche Geschichten

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