ORDER TO RUIN – The Book Of Nemesis

Mit dem Ansinnen, sich im Zuge unseres gemeinsamen Schaffens an der Nachtgeburt, musikrezensorisch auch mit der für mich neuen Heimatregion namens Münsterland zu befassen, traf es sich zufällig und ganz richtig, dass die O bei einer unserer Fahrten durch das Umland einen Happen akustisches Lokalkolorit in das Lärmmaschinchen ihres Vehikels schob – so machte ich kurzerhand Bekanntschaft mit den Melodeathern Order To Ruin, einem reinen Studioprojekt aus Münster.

Was mir groovetechnisch vom Pfade zur Grausamkeit entgegenschlug, wusste mir doch einigermaßen zu gefallen, und so traf es sich einige Wochen später gar noch ein wenig besser, da sich die Gelegenheit bot, das diesjährige Nachfolgewerk „The Book Of Nemesis“ Probe zu kosten.

Da ich zwar gemeinhin gerne um die Historie einer Bande von Musizierenden respektive deren Schaffen weiß, aber mir bei noch weitestgehend unbekannten Kapellen und zuviel Vorrecherche auch zuweilen der mögliche frische Zauber einer hoffentlich intensiven Erstbegegnung vorenthalten bleibt, verzichtete ich in diesem Falle auf nochmaliges Hören des Vorgängeralbums oder gar das Durchwälzen der Diskographie, um mich in vollends untypischer Unvorbereitung jenen neuheimatlichen Klängen zu widmen, deren Wirkung ich nun folgend in Worte zu kleiden versuche.

Order To Ruin eröffnen mit dem Titeltrack und gleich zünftig hoher Schlagzahl den Reigen von neun Stücken, die sich in toto als Metal der klassisch-tödlichen Göteborger Schule beschreiben lassen. Gesanglich gesamthaft guttural (schluck das, Vera Int-Veen!), die Rhythmusklampfen technisch sauber und auf Zack, in den Leads hingegen melodisch-eingängig und mit klassischen Soli gespickt, kombinieren die bislang unsignierten Mannen gekonnt Elemente des traditionellen Heavy Metal, oben erwähntem Schwedendeath und finnisch angehauchtem Dunkelmetall – letzteres zumindest in einigen Ansätzen. Zum Instrumentarium des Dreiers gesellen sich – leider, leider – Trommelfelle aus der Retorte. Der Drumcomputer wurde zwar mit ordentlichen Patterns gefüttert, kann jedoch das humanbediente Schlagwerk nicht adäquat ersetzen. Zu glatt, zu gleich, zu mechanisch, um das ansonsten recht groovig und angenehm rauh produzierte Dargebotene mit zusätzlicher Vitalität zu bereichern.

Und nun bricht sie dann doch an… die Zeit für Vergleiche. Zunächst, da ich mich nach recht unbefangenem Mehrfachdurchlauf des aktuellen Albums anschließend noch einmal mit dem Vorgänger auseinandersetzte, fällt eine gelungene Weiterentwicklung des komplett in Heim- und Eigenregie abgemischten Gesamtsounds auf. Wo „The Path To Atrocity“ noch mit grellem Demo-Klirrfaktor daherkam, eröffnet sich dem Hörer nun ein dichteres und griffigeres Erleben der Spielkunst, wenn wir den Faktor Schlagzeugsterilität mal außer Acht lassen. Auch der Personalwechsel am Mikrofon erscheint mir persönlich als dem Klangkleid zuträglich.
Order To Ruin vereinen bei überwiegend hohem Tempo zahlreiche gute Ideen, die man schon einmal vor vielen vielen Herbsten von traditions- und ruhmreichen Bands wie Iron Maiden, In Flames, Hypocrisy, Dark Tranquillity und vielleicht Amorphis zu ihren guten Zeiten gehört haben könnte, klingen dabei aber keinesfalls wie reinterpretierende Nostalgiker. Bei so manchem Riff (z.B. in „The Devil Among The Sheep“) assoziierte sich mein Hirn auch die frische und unbändige Härte von Black Crown Initiate herbei.

„The Book Of Nemesis“ bietet insgesamt eine solide Mischung der alten Schule(n), wobei nicht deren Asche zelebriert wird, sondern immer noch juvenil ausgelassen um das lodernde Feuer herumgetanzt werden darf.
Abschließend möchte ich den Mannen mit dem enormem Output – 2 EPs und 4 (!!!) Alben in 3 Jahren – für die Zukunft weiterhin das anscheinend überquillende Füllhorn an Inspiration und Enthusiasmus wünschen, ein Label, das sie fördert und ihnen den Weg auf die Bühne weist, einen Produzenten, der dem Sound auf die nächste professionelle Stufe verhilft… und naja, einen hungrigen und talentierten Schlagwerker mit Zeit und Laune, der noch mehr Öl ins Feuer zu gießen vermag.

Das Album kann über die Facebook– bzw. Bandcamp-Seite der Band für sehr anständige 6 € erstanden werden.

Anspieltipps: Nightborn, The Age Of Kings, The Devil Among The Sheep, Necromancer

Order To Ruin - The Book Of Nemesis - Album CoverTracklist:

01. The Book Of Nemesis
02. Nightborn
03. The Age Of Kings
04. Dead End Mansion
05. The Devil Among The Sheep
06. My Fiction God
07. One Carved In Doom
08. Eclipse Of The Moon
09. The Necromancer


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